Eine neue Konzeption für die Ausstellung im Haus auf der Grenze ist beschlossen

Point Alpha wird verjüngt

Die Ausstellung im Haus auf der Grenze soll dank Videos und interaktiven Karten eine jüngere Zielgruppe ansprechen Grafik: Beier+Wellach

Rasdorf. Zwei Millionen Besucher in zehn Ausstellungsjahren - das ist laut Prof. Dr. Hans-Joachim Jentsch die Bilanz der Dauerausstellung im Haus auf der Grenze von der Point Alpha Stiftung. „Nun gilt es, unser Angebot zu modernisieren“, erklärt der Stiftungsratvorsitzende der Point Alpha Stiftung. Volker Bausch, Direktor der Stiftung, ergänzt: „Es werden neue Erkenntnisse in unsere Ausstellung eingearbeitet. Wir erzählen dieselbe Geschichte - aber auf andere Weise.“

Insbesondere die optische Präsentation wird überarbeitet. Mit anderen Schwerpunkten will man den Besuchern auf authentischerem Weg die Geschichte der innerdeutschen Grenze näher bringen. Dabei soll dem Besucher das Thema aus allen Blickwinkeln präsentiert werden, denn es gab nicht nur eine amerikanische Seite der innerdeutschen Grenze. Wichtig sei, junge Besucher ebenso wie Schulklassen und Familien anzusprechen.

Für die Neukonzeption war die Berliner Firma beier+wellach verantwortlich. Geschäftsführer Peter Wellach stellte die Pläne gestern vor. „Um junge Leute zu erreichen, ist es wichtig, die Ausstellung interaktiv zu gestalten. Dabei ist die Frage, ‚Wie erzähle ich etwas?’ von besonderer Bedeutung“, betont er. Der Grundgedanke sei deswegen, dass die Gedenkstätte Gefühle wecken müsse. Während ein Museum nüchtern informiere, gehe der Auftrag von Point Alpha darüber hinaus. Diesen emotionalen Zugang zur Geschichte will man auf verschiedene Weise herstellen.

Über 20 Zeitzeugen, die die Trennung Deutschlands erlebten, teilen im Haus auf der Grenze zukünftig auf Video ihre Erfahrungen mit den Besuchern. Dabei werden nicht nur Opfer gehört, sondern auch Mitglieder des Militärs.

Die Landkarten der alten Ausstellung weichen digitalen Kartentischen. Auf diesen werden animierte Originalkarten aus Grenzzeiten gezeigt. Besonders interessant: Auch die Pläne, die für den akuten Kriegsfall gedacht waren, werden dargestellt.

Das vielleicht interessanteste Stück der Ausstellung ist der „Storypoint“. Dort werden nicht nur die Geschichten der Zeitzeugen geschildert: Auch Besucher können hier ihre eigenen Erfahrungen auf Video aufnehmen und so selbst Teil der Ausstellung werden.

Auch optisch wird die Ausstellung einiges hermachen. Betritt man den Saal, findet man sich zunächst in einem authentisch gestalteten Sitzungsraum der DDR-Grenztruppen wieder. Nach einem Rundgang über verschiedene Infostationen erklimmt der Besucher die neu gebaute Empore. Dieser Ort über der Ausstellung beherbergt nicht nur den „Storypoint“, sondern auch die Deckeninstallation „Die Welle“ - eine Fotomontage mit Blick in den damals unerreichbaren Westen.

Bessere Orientierung

Zur besseren Orientierung in der Geschichte gliedern die Ausstellungsmacher die Präsentation in vier Punkte. Zunächst steht der „Bruch der Anti-Hitler-Koalition“ im Mittelpunkt, anschließend wird ein Blick auf den „Herrschaftsanspruch der Sowjetunion“ geworfen, der „Eiserne Vorhang“ wird genauer beleuchtet und schließlich betrachtet man das „Leben der Menschen im Schatten der Grenze“.

Ende März soll die Ausstellung eröffnet werden. Finanziert wird sie durch Zuschüsse. Rund 600 000 Euro werden investiert, wovon die Hälfte von dem Bundesamt für Kultur und Medien übernommen wird, während die Länder Hessen und Thüringen sich den Rest teilen. (red/kml)

Von Lars Hack

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