Schnee und Glatteis bereiten heimischen Mineralölfirmen Lieferschwierigkeiten

Plötzlich ist der Tank leer

Einen solchen Winter hat er noch nicht erlebt: Helmut Zengerling (Bild) aus Rotenburg, Mitarbeiter der Kurt Günther Mineralölhandels-GmbH, beliefert die Tanklager seit 21 Jahren täglich mit jeweils gut 30 Tonnen Diesel und Benzin. Seit dem Wintereinbruch hat er – zusätzlich zur umfangreichen Gefahrgut-Schutzausrüstung – stets Streusalz und Schaufel mit an Bord. Foto: Hornickel

Bad Hersfeld. Plötzlich fällt die Heizung aus, und in der Wohnung wird es eiskalt: Der Heizöltank im Keller ist leer. „Solange die Sonne scheint, denken die Bewohner nicht daran, ihre Tanks zu überprüfen, und dann ist die Panik groß“, erzählt Rolf Döring, Mitarbeiter der Kurt Günther Mineralölhandels-GmbH in Bad Hersfeld.

Das Winterwetter macht den Heizöl-Lieferanten zu schaffen. Enge und glatte Straßen sind für die Lastfahrzeuge nur schwer passierbar, so dass es zur Zeit zu Lieferungsverzögerungen kommen kann. „Trotz Schneeketten dürfen wir bei starkem Schneefall nicht fahren, schließlich transportieren wir Gefahrgut“, ergänzt Döring. Es läge im Ermessen der Fahrer und ihrer Disponenten, ob die Mitarbeiter auf eigene Gefahr die Kunden noch anfahren.

Auf dem Trockenen

Da viele Haushalte erst kurzfristig ihr Heizöl bestellen, kommt es laut Döring jedes Jahr vor, dass die Leute auf dem Trockenen sitzen. Natürlich versuche man dann schnellstmöglich zu liefern, aber das sei jedoch nicht immer möglich. Für den Notfall gibt es kleinere Mengen Heizöl in Eimern zu kaufen, um kalte Stunden zu überbrücken.

Auch Andrea Holl-Heckroth, Chefin der Firma Oel Holl in Bad Hersfeld, berichtet, dass ihre Mitarbeiter momentan pro Tag nicht so viele Kunden anfahren können wie sonst. Dadurch seien die Fahrer abends länger unterwegs, um alle Kunden dennoch fristgerecht zu beliefern. Oft seien die Bestellungen dringend, da in manchen Haushalten mehr Öl verbraucht wurde als gedacht. „Wir lassen aber keinen frieren“, sagt Holl-Heckroth und schmunzelt.

Fahrzeuge rollen

Trotz des Wintereinbruchs kommen die Lastkraftwagen der verschiedenen Mineralölfirmen verhältnismäßig gut voran. Um die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten, haben einige Unternehmen ihren Fahrzeugen schon die Schneeketten aufgezogen.

Damit vor allem Stammkunden nicht im Kalten sitzen müssen, rollte das Heizöl sogar an Heiligabend und wird auch an Silvester bis mittags durch die verschneiten Straßen rollen.

Rechtzeitig liefern

„Bisher konnten wir alle Bestellungen noch rechtzeitig ausliefern“, sagt Josef Busold, Inhaber des Baustoffmarktes und Heizöl Busold in Eiterfeld.

Das versucht auch der VW Günther Mineralöl-Großhandel in Bebra. Auch dessen Fahrer wühlen sich an sechs Tagen der Woche durch die Schneemassen, um alle Haushalte mit dem brennbaren Rohstoff zu versorgen.

Damit die Heizungen in der kalten Jahreszeit durchbrennen und keiner auf die mollige Wärme in den eigenen vier Wänden verzichten muss, raten die Unternehmen, vor dem Winter rechtzeitig die Heizölbestände zu kontrollieren und dementsprechend nachzubestellen.

Verbot für Gefahrgut

„Wir versuchen zwar alle Kunden so schnell wie möglich zu erreichen, aber bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen kommt es schon mal vor, dass der Gefahrguttransport verboten wird. Dann sind auch uns die Hände gebunden“, erklärt Evi Günther, Chefin des VW Günther Mineralöl-Großhandels in Bebra.

Von Nina Skrzyszowski

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