Mitzittern mit Zuckertüte: Auch für viele Eltern ist die Einschulung ihrer Kinder ein emotionaler Tag, der neues Lernen bedeutet

Plötzlich sind sie fast erwachsen

Kerstin Peter-Hartmann

Bad Hersfeld. Eigentlich könnte Ulrike Zeidler gleich mit der Konfirmationsplanung weitermachen. „Sie wird einfach zu schnell groß“, sagt die Bad Hersfelderin lachend, als sie mit pinkfarbener Schultüte im Regen vor der Wilhelm-Neuhaus-Schule steht.

Das Pappkunstwerk mit Plüschigel gehört ihrer Tochter Lea, die gestern offiziell zur Erstklässlerin wurde. Ihrer Tochter, die doch vorgestern noch ein Baby war und jetzt ganz erwachsen für den Schulfotografen posiert. „Für uns beginnt ein neuer Lebensabschnitt“, sagt Ulrike Zeidler. „Jetzt müssen wir erstmal sehen, wie es funktioniert.“

Schule heißt auch Loslassen

Während sich die neuen Schulkinder in Trauben um ihre Klassenlehrer versammeln, klopfen am Turnhallenrand auch aufgeregte Eltern- und Großelternherzen. Einschulung bedeutet Loslassen. Zwar nur für ein paar Stunden am Vormittag, aber Stunden, die die Kinder verändern werden. „Es ist ein Schritt zum Erwachsenwerden“, sagt Manuela Spittel während sie ihren Sohn Marius beobachtet. „Für mich ist es das zweite Mal, aber ich war wieder nervöser als die Kinder.“

Bei Antje Pladdies, die neben ihr steht, mischen sich Aufregung und Stolz, wenn sie ihr Schulkind Leonie ansieht. „Sie müssen jetzt ihren Weg finden“, sagt die Bad Hersfelder Erstklässlermutter. Ein Weg, auf dem sie Leonie so gut sie kann begleiten will.

Auch Christopher Henning, beauftragt als Beschützer einer Spider-Man-Schultüte, hatte plötzlich einen großen Sohn Finn zu Hause. „Es ist eine Herausforderung für ihn, sich in eine Gemeinschaft einzufinden“, sagt er. „Aber wir haben Vertrauen in die Kinder, dass es klappt. Es muss ja klappen.“

Ein wenig routinierter geht Kerstin Peter-Hartmann an das Projekt Grundschule heran. „Beim zweiten Mal war es schon einfacher“, sagt die Bad Hersfelderin. „Es ist schön zu sehen, wie sich die Kinder freuen.“

Wie lange der Nachwuchs so euphorisch aufs Lernen wartet, wird sich zeigen. Und die Diskussionen um Hausaufgaben, Zeugnisnoten und Weiterschlafen werden kommen. Deshalb ist das gestrige Bild der Eltern, die Zuckertüten im Arm halten, gar nicht so abwegig. Auch für sie beginnt das Lernen.

Von Saskia Trebing

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