Eveline Lohfink-Reinig und Marita Lohfink werden in der Stadtkirche gesegnet

Plötzlich kam die Liebe

Bad Hersfeld. Eveline Lohfink-Reinig dachte zunächst an Narkosenachwirkungen, Marita Lohfink befürchtete die Wechseljahre. Ihre Gefühle füreinander konnten die beiden Frauen nicht einordnen, als sie sich kennenlernten.

Das war am 2. August 1995, in der Vitalis-Klinik. „Unser Schicksalstag“, sagen Eveline und Marita heute. Damals waren beide noch verheiratet, mit Männern, die Kinder waren mit Anfang 20 gerade erwachsen. Eveline Lohfink-Reinig war als Patientin im Krankenhaus, Marita Lohfink arbeitete dort als Krankenschwester. Die beiden Frauen fühlten sich irgendwie zueinander hingezogen, konnten sich dies aber selbst nicht erklären. „Das war alles so plötzlich.“

Ein paar Wochen später „beichteten“ sie sich schließlich ihre gegenseitige Zuneigung und sie beschlossen, gemeinsam für eine Woche in den bayerischen Wald zu fahren. „Wir wollten das ausloten, wir wussten ja gar nicht, was da mit uns geschah“, so Eveline Lohfink-Reinig.

Während die beiden Frauen ihre Geschichte erzählen blicken sie sich immer wieder verliebt an. Eben wie ein frisch verliebtes Paar; dabei kennen sich Eveline und Marita mittlerweile seit über 15 Jahren.

Nach dem Kurzurlaub war beiden klar: „Wir wollen das.“ Es folgten eine „irritierende und kämpferische“ Zeit. „Wie sollten wir das unseren Männern erklären und unseren Kindern, und das kurz vor Weihnachten?“ So wurde die „Offenbarung“ weiter in den Januar verschoben. Doch noch bevor die beiden Frauen sich schließlich ein Herz fassen konnten, kamen ihnen ihre Männer „auf die Schliche“.

„Die haben gemerkt, da stimmt etwas nicht und haben uns unabhängig voneinander am selben Tag zur Rede gestellt“, erinnern sich die beiden an den Tag, an dem sie ihre Liebe öffentlich machten.

„Froh, dass es draußen war“

Es folgte eine harte Zeit für die Familien, doch die beiden Frauen waren froh, „dass es nun draußen war“. „Mein Mann dachte, das wäre vielleicht nur eine Phase und mein Großvater als Familienoberhaupt wollte das gar nicht glauben und dachte, er hätte sich verhört“, so Lohfink-Reinig. „Aber als er Marita dann kurze Zeit später kennen gelernt und ausgefragt hat, war er von ihr begeistert und sagte zu mir ‘Das ist ja eine richtige Frau’“. Eine Lesbe hatte er sich wohl irgendwie anders vorgestellt.

Viele bewunderten den Mut der beiden Frauen, einen ganz neuen, anderen Lebensweg einzuschlagen, einige alte Freunde und sogar Familienmitglieder wandten sich aber auch ab. Das musste Marita Lohfink erfahren, die zu ihren Geschwistern heute keinen Kontakt mehr hat.

Am 28. Januar 1996 zog das Paar bereits in eine gemeinsame Wohnung und genau ein Jahr später – am 28. Januar 1997 – stellte Eveline Lohfink-Reinig ihrer Marita die Frage aller Fragen – obwohl es damals für gleichgeschlechtliche Paare noch gar nicht möglich war zu heiraten. „Wir haben uns ganz klassisch verlobt mit Ring und allem was dazu gehört“, erzählt die Anwältin.

2001 kam die Gesetzesänderung und die beiden Frauen ließen im Bad Hersfelder Standesamt ihre Lebenspartnerschaft eintragen. Und schon damals waren sich die beiden sicher: „An unserem zehnten Hochzeitstag ist auch die Kirche soweit.“ Und zumindest für die evangelische Kirche haben die Frauen Recht behalten. Bei der Segnung morgen ist dann übrigens auch ihr damaliger Standesbeamter dabei.

Von Nadine Maaz

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