Bad Hersfelder Festspiele 2012: In der Maske von „Ewig jung“

Plötzlich alt

Handwerkszeug: Mit Theater- und spezieller Alkoholschminke, so genannter Film- und Effektschminke, wird in der Maske von „Ewig jung“ gearbeitet.

Bad Hersfeld. 40 Jahre in 30 Minuten: Im Eichhof-Stück „Ewig jung“ stehen die Schauspieler als über 80- und 90-Jährige auf der Bühne. Im wahren Leben sind sie natürlich viel jünger. Maddalena Noemi Hirschal ist mit 29 Jahren die Jüngste im Team, Hans-Christian Seeger, der auch Regie führt, ist immerhin 60 Jahre alt, und damit trotzdem noch fast 40 Jahre jünger als seine Rolle „Herr Seeger“.

Rund 30 Minuten dauert die Verwandlung. In der Eichhof-Maske arbeiten Anja Kietzmann als Chefmaskenbildnerin und Friseurmeisterin Julia Frick. Frick kommt aus Alsfeld und betreibt dort einen eigenen Salon. Bei den Festspielen ist sie schon seit zwölf Jahren – neben ihrer alltäglichen Arbeit. Am Eichhof ist die Maske recht provisorisch eingerichtet.

Geschminkt wird nach Plan

Als Hans-Christian Seeger am Dienstagabend vor der Vorstellung auf dem Holzstuhl Platz nimmt und sich in die Hände von Julia Flick begibt, sieht der 60-Jährige nicht mal nach 60 aus, sondern ziemlich sportlich und jung.

Flick wird an diesem Abend von Andrea Göltner aus Haunetal unterstützt, ebenfalls Friseurmeisterin und seit zwölf Jahren in der Festspiel-Maske im Einsatz. Auf ihrem Stuhl nimmt zuerst Franziska Becker Platz. Wer wann an der Reihe ist, regelt der Maskenplan, der für alle gut sichtbar an der Wand hängt.

Julia Flick trägt bei Hans-Christian Seeger mit einem kleinen Schwämmchen den Grundteint auf; bei den Damen werden als erstes die Haare hochgesteckt. Mit einem feinen Pinsel werden die Falten nachgezeichnet, dafür runzelt Seeger stark die Stirn. „Wenn man weiß, was man tut, ist es eigentlich ganz einfach“, sagt Julia Flick, schon zur Premiere sitze jeder Handgriff. Gearbeitet wird mit spezieller Theater- oder Alkoholschminke, die auch als Film- oder Effektschminke bezeichnet wird. „Sonst macht man ja eher Beauty-Make-Up, jetzt schminken wir Falten“, so Flick lachend. Die Abwechslung und die gute Stimmung machten auch den Reiz der Arbeit aus. „Es ist wie eine Sucht, man will jedes Jahr wieder kommen.“

Auf Seegers Wangen werden mit einem speziellen Schwamm und Fettschminke nun geplatzte Äderchen imitiert. Die buschigen Brauen sind aus Bartkrepp. Sie werden jedes Mal neu zurecht geschnitten und angeklebt. Rote Farbe unter den Augen lässt diese müde wirken, auch die Lippen werden faltig geschminkt.

Zwischendurch werden in der Maske Tipps zur Reinigung und zur Pflege der Haut ausgetauscht, denn diese wird durch die Alkoholschminke ziemlich strapaziert.

Kurz vor Ende der „Prozedur“ kommt die maßgefertigte und handgeknüpfte Perücke an die Reihe. Vorsichtig befestigt Julia Flick die zotteligen grauen Haare mit Kleber am Kopf von Hans-Christian Seeger, der nun tatsächlich kaum wieder zu erkennen ist. Zum Schluss werden auch die Hände noch auf alt geschminkt. Insgesamt muss das Make-Up übertrieben sein, damit es auch in den hinteren Publikumsreihen noch wirkt.

„Ich habe geschrien“

„Plötzlich ist man 40 Jahre älter“, staunt Seeger und betrachtet sich im Spiegel. „Das ist erschreckend, aber auch toll.“ Kollegin Franziska Becker wirft vom Stuhl nebenan ein: „Ich habe geschrien, als ich mich das erste Mal so im Spiegel gesehen habe.“

Aber Kostüm und Maske unterstützten die Rolle nicht nur äußerlich, sobald alles sitzt, ändert sich auch das Verhalten. Dann wird aus Hans-Christian Seeger, Regisseur und Schauspieler, der Senior „Herr Seeger“.

Von Nadine Maaz

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