Pleiten, Pech und Paulus

Kai A. Struthoff

Zu früh gefreut. Die Zitterpartie um das Staatliche Schulamt in Bebra geht weiter. Es ist im höchsten Maße peinlich, wie der FPD-Landtagsabgeordnete Jochen Paulus Fehlinformationen lanciert, ohne auch nur mit seiner Ministerin gesprochen zu haben. Die Reaktion aus dem Kultusministerium kam knüppeldick: Anstatt Parteifreund Paulus zu verteidigen und wie sonst in solchen Fällen üblich von einem „Missverständnis“ zu reden, ließ man ihn eiskalt im Regen stehen. Das zeugt von einem gehörigen Maß an Verärgerung über den Abgeordneten, der in Sachen Schulamt bislang eher durch Untätigkeit aufgefallen war. Sein Verhalten passt perfekt in das schlechte Bild, das die FDP in diesen Tagen in Bund und Land abgibt. Hoffen wir nur, dass durch das Vorpreschen von Paulus nicht noch größerer Schaden für Bebra angerichtet worden ist.

Für Jörg Brand von den Freien Wählern ist das dilettantische Agieren von Paulus eine willkommene Steilvorlage. Er langt richtig hin (siehe unten). Verständlich. Allerdings ist Brands Kritik an Horst Groß nicht ganz fair. Der wackere Bürgermeister hatte sich auf solide Information und saubere Recherche verlassen, die Falschmeldung geglaubt und sich gefreut. Auch verständlich. Denn es war vor allem Horst Groß, der sich vehement für das Schulamt eingesetzt hatte und seinem Parteifreund Ministerpräsident Bouffier sogar mit Parteiaustritt gedroht hatte.

Glücklicherweise gibt es auch Erfreulicheres: Die Sommerakademie Europolis zum Beispiel, die zum Festspielrahmenprogramm gehört. Es ist schon beeindruckend, mit welchem Engagement die jungen Leute bei der Sache waren. Ich glaube ja, Europas Jugend ist viel weiter als unsere Politiker. Sie leben Europa, anstatt darüber zu streiten. Doch auch die Gastdozenten brachten intellektuellen Glanz in unsere kleine Stadt. Schade nur, dass sich die hohe Attraktivität dieser Veranstaltungsreihe noch nicht ausreichend bei den Bürgern herumgesprochen hat. Aber was nicht ist, kann ja noch werden...

In Rotenburg herrscht unterdessen Ausnahmezustand – es ist Strandfest. Es ist enorm, was dort auf die Beine gestellt wird. Beim Bummel über den Rummel fühlt man sich wieder jung. Schade nur, dass das Wetter, die Ferien und die Brückensperrung das fröhliche Fest etwas beeinträchtigt haben. Doch was so ein richtiger Strand-Fester ist, der feiert das Lichterfest eben unterm Schirm. Das haben Strandfest und Festspiele übrigens gemein: Das miese Wetter und die frühen Ferien stören etwas. Aber wir freuen uns trotzdem.

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