Bad Hersfelder Festspiele: Das Musical hat den Regisseur und Darsteller durchs Leben begleitet

Cusch Jung und "My Fair Lady": Die Platte aus der Kindheit

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Cusch Jung, Regisseur des Musicals „My Fair Lady“ bei den Bad Hersfelder Festspielen und Darsteller des Professor Higgins.

Bad Hersfeld. Als Cusch Jung ein Kind war, drehte sich bei ihm zu Hause eine Platte auf dem Teller, deren Musik ihn zeitlebens nicht mehr loslassen sollte: die deutsche Originalaufnahme des Musicals „My Fair Lady“ mit Friedrich Schoenfelder als Professor Higgins. Die Fülle der Melodien, Schoenfelders Sprechen und seine Stimme haben den heute 58-Jährigen schon damals geprägt. Und als er viel später einmal den 80-jährigen Interpreten traf und Schoenfelder ihm das „Du“ anbot, da hatte sich für Cusch Jung ein Kreis geschlossen.

Denn „My Fair Lady“ ist ihm längst zur Passion geworden, ein Stoff, den er in- und auswendig kennt und doch immer wieder neu entdecken möchte. So wie jetzt in der Stiftsruine von Bad Hersfeld. Denn die Bühne unter freiem Himmel hat seine Fantasie angeregt.

Einfach ein Sofa, Bücherregale und einen Schreibtisch aufzustellen, um eine Bibliothek zu symbolisieren, das hat ihn nicht überzeugt. Aber die Stiftsruine sei ja wie eine englische Abbey, und in England finde ja ganz viel auf dem Rasen statt. Also warum den Professor Higgins nicht in die Sommerfrische ins Grüne schicken, in ein mondänes Zelt, und wenn es mal regnet, dann dürfen hier ganz selbstverständlich die Schirme aufgespannt werden. Cusch Jung schwärmt geradezu von diesem Schauplatz, an dem aus den Obsthändlern der Vorlage Gärtner werden, die aber auch nichts anderes tun als die Reichen zu bedienen.

So habe eine Idee die andere ergeben, beschreibt er die Zusammenarbeit mit Karin Fritz, die die Bühne eingerichtet hat. Und am Charme des Originals habe der Umzug ins Freie nichts geändert.

Nichts Neues ist hingegen für ihn die Doppelfunktion als Regisseur und Darsteller des Higgins. „Man muss sehr gut vorbereitet sein“, sagt er und verweist auf die Kontrolle durch einen guten Assistenten sowie Videos, auf denen er sich nach der Probe überprüft. „Ich bin nicht selbstverliebt“, beteuert er, fügt aber im selben Atemzug hinzu: „Ich kann das, und ich mag so gerne spielen!“. Dass Cusch Jung das kann, davon hat sich der künstlerische Leiter der Festspiele, Joern Hinkel, persönlich bei einer Vorstellung im Theater von Kaiserslautern überzeugt.

So kam es zur Verpflichtung für die Festspiele, die eigentlich schon viel früher hätte stattfinden sollen. Elke Hesse hatte Cusch Jung eigentlich schon für „Jekyll & Hyde“ nach Bad Hersfeld holen wollen, doch dieses Musical hatte er gerade erst anderswo inszeniert und daher mehr Lust auf etwas Neues.

Was ihn in Bad Hersfeld erwarten würde, das wusste er allerdings schon vor seinem Engagement: „Show Boat“ hat er vor einigen Jahren gesehen, inszeniert von Melissa King, die jetzt beim „My Fair Lady“ für die Choreographie zuständig ist. Auch mit Ilja Richter und Gunther Emmerlich hat er bereits zusammengearbeitet.

Ihre Namen reihen sich ein in die Riege der Partner, mit denen Cusch Jung vor allem im Theater des Westens in Berlin, seiner künstlerischen Heimat, im Laufe der Jahre in einer Vielzahl von Rollen und Regiearbeiten auf der Bühne gestanden hat. Große Namen wie Hildegard Knef, Helen Schneider und Helmut Baumann gehörten dazu.

Dieter Wedel kannte er hingegen noch nicht. Das hat sich mittlerweile geändert. Und beim Besuch des Intendanten in einer Probe von „My Fair Lady“ ließ sich Cusch Jung gerne auch den einen oder anderen Tipp geben. „Wenn eine Idee gut ist, sie aus Eitelkeit nicht zu machen? Das ist Schwachsinn, ich bin doch nicht blöd,“ sagt er mit einem Lächeln, schnappt sich seinen Rucksack und arbeitet weiter am Stück seines Lebens. Noch gibt es viel zu tun, und übermorgen ist Premiere.

Von Karl Schönholtz

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