250 Dinge, die wir an der Region mögen (141): Der Ausbacher Ploatz

Die „Pizza“ vom Landecker

Herzhafter Genuss: Paula Grimm schmeckt der Original „Usbicher Ploatz“ ofenwarm aus der Hand am besten. Foto: Hartmann

Ausbach. Die Ausbacher mögen zwar auf „ihren“ Ploatz –ein Backwerk aus Brotteig mit herzhaftem Belag – keine Urheberrechte beanspruchen. Aber den in der ganzen Umgebung bekannten Dorfspottnamen „Usbicher Ploatzraeft“ wird ihnen wohl niemand streitig machen wollen.

Woher die Bezeichnung „Ploatz“ eigentlich stammt, weiß auch der regional kundige Hobbyhistoriker Albert Deiß nicht genau zu sagen. Es sei jedenfalls nichts Schriftliches überliefert. Rezept und Namen wurden vermutlich über Generationen hin nur mündlich weiter gegeben.

Seit einigen Jahren nun erscheint der Ploatz auch als eigenständige Speise in regionalen Kochrezeptsammlungen. Früher wurde bei jedem Brotbacktag mit der Restwärme des Backofens auch der Ploatz gebacken. Deshalb stand das Gericht vor allem in ländlichen Haushalten öfter auf dem Ernährungsplan. Zumal die Beimischungen wie Mehl für den Teig und Kartoffeln, Schmand, Gewürze sowie andere Zutaten als Auflage zumeist aus eigener Produktion stammten und damit ständig verfügbar oder zumindest kostengünstig zu besorgen waren.

Durch den Einfluss fremder und neuzeitlicher Esskulturen nach dem Krieg verlor das flache Backwerk jedoch an Bedeutung für den alltäglichen Speisezettel. Erst mit der Wiederbelebung regionalen Brauchtums seit einigen Jahren ist der Ploatz mittlerweile sogar zu einem regelrechten Kultimbiss geworden, der vor allem auf Heimatfesten und anderen dörflichen Veranstaltungen in größeren Mengen gebacken wird. Dabei wird in Anlehnung an ein bekanntes italienisches Fladengericht der Ploatz auch schon ‘mal scherzhaft als „Landecker-Pizza“ angeboten.

Laut Rezept von Marina Wanderer aus Ausbach besteht die Unterlage seit jeher aus Sauerteig, der einen Zentimeter dick auf einem Backblech ausgewalzt wird. Auch der Zwischenbelag mit Kartoffelbrei ist althergebrachter Standard. Die Beimischungen dazu variieren allerdings je nach Geschmack.

Der Belag obendrauf besteht entweder aus kleinen Schinkenspeckwürfeln oder aus fein geschnittenem Lauch. Das ganze wird etwa 20 Minuten bei Hitze gebacken und in handlichen Stücken serviert. Genießer schwören auf das Garen im richtigen Großbackofen aus Lehm oder Schamottsteinen. Denn dort bekomme der Ploatz erst die richtige Geschmacksnote. Aber auch die Zubereitung im häuslichen Elektroherd dürfte kaum weniger gut schmecken.

Beim nächsten Backhaustag des Ausbacher Heimat- und Verkehrsvereins am Samstag, 24. August, gibt’s den Ploatz übrigens wieder wie hier beschrieben.

Von Hans-H. Hartmann

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