Montagsinterview mit Christian Peter über die Aktivitäten der Partei im Kreis

Piraten zeigen Flagge

Die Piraten haben Oberwasser – auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Der Rotenburger Christian Peter (Mitte) war einer der Piraten der ersten Stunde. Hier zeigt er gemeinsam mit seinen Bad Hersfelder Freibeuter-Kollegen Stefan Körbe (links) und Matthias von Eynern die Piraten-Flagge. Foto: Struthoff

Hersfeld-Rotenburg. Die Piraten segeln bundesweit hart am Wind. Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg nimmt das Piratenschiff mächtig Fahrt auf. Inzwischen zeigen die Freibeuter auch hier selbstbewusst Flagge. Noch gibt es keinen Kapitän und keine festen Strukturen. Kai A. Struthoff sprach deshalb mit dem Rotenburger Christian Peter, der zu den Piraten der ersten Stunde im Kreis gehört.

Herr Peter, glaubt man den Umfragen, dann entern die Piraten bald alle Parlamente. Ist Ihnen dieser Blitz-Erfolg nicht etwas unheimlich?

Christian Peter: Nein, die Zeit ist einfach reif. Die Menschen warten auf eine neue Art der Politik. Das ist mir nicht unheimlich, sondern da mache ich mit.

Wecken Sie aber nicht Erwartungen, die Sie später eigentlich nicht halten können?

Peter: Wem etwas nicht gefällt, der kann bei uns seine Vorstellungen einbringen. Dadurch wird sich die Politik ändern. Es wird keine Volksparteien im jetzigen Sinne und Lobbyisten mehr geben, sondern eine neue Art der Mitbestimmung. Wir sind bereit, Visionen zuzulassen, und wir sind eine Mitmachpartei. Das gefällt den Leuten.

Trotzdem kennt kaum einer Ihre Kapitäne, und auch der Kurs Ihres Schiffs ist vielen unklar. Ist das nicht unseriös?

Peter: Es gibt die Piraten seit sechs Jahren, der Erfolg hat aber erst vor ein paar Monaten begonnen. Wir müssen jetzt in kürzester Zeit etwas erreichen, wozu andere mehrere Jahre Zeit hatten: Programme und Persönlichkeiten herausbringen. Dabei setzen wir nicht so sehr auf die Köpfe der Einzelnen, die sich natürlich auch langsam herausbilden, sondern vor allem auf die Inhalte.

Wie sind die Piraten hier im Kreis ausgestellt?

Peter: Es gibt seit Oktober einen Stammtisch, zu dem es immer wieder wechselnde Gäste gab. Momentan sind wir 25 Piraten im Kreis Hersfeld-Rotenburg – doppelt so viele wie zu Jahresbeginn. Dabei sind übrigens die jungen Leute, die typischen Computer-Kiddies, eher in der Unterzahl.

Dabei gelten Sie doch als Computer-Partei?

Peter: Ja, aber nicht nur. Das Internet gehört schon längst zu unserem Leben. Aber zu uns kommen doch eher die Lebenserfahrenen, die Politikverdrossenen, jene, die früher in anderen Parteien aktiv waren – einige haben sogar schon Parlamentserfahrung. Es gibt in den etablierten Parteien viel Frust über die verkrusteten Strukturen. Nach den nächsten Landtagswahlen wird wohl ein weiterer Schub kommen. Trotzdem wird es nicht einfach werden, mit einer jungen Basis eine Arbeit zu leisten, die dem Bürger vermittelbar ist. Wir sind zwar alle idealistisch, aber auch pragmatisch genug, um zu wissen, dass wir die parlamentarischen Spielregeln einhalten müssen, wenn wir etwas verändern wollen.

Welche konkreten Zielen haben Sie hier im Kreis?

Peter: Zuerst stehen die Bürgerrechte bei uns im Vordergrund. Welche Themen hier im Kreis wichtig sind, entscheiden die Bürger. An die geht auch unser Angebot: Lasst uns wissen, was euch bewegt. Kommt zu uns und helft uns, was zu verändern. Aber auch die Transparenz der politischen Entscheidungen ist für viele Menschen und daher auch für uns wichtig.

Ach, und warum kommt dann kaum jemand zu den öffentlichen Sitzungen unserer Parlamente?

Peter: Vielleicht ist die Show zu schlecht. Denn es sind gerade diese außergewöhnlichen politischen Ereignisse, wie etwa Willy Brandts Kniefall in Warschau oder Joschka Fischers Vereidigung in Turnschuhen, die den Menschen in der Erinnerung bleiben. Zu dieser neuen Transparenz, die wir fordern, tragen auch die neuen Möglichkeiten des Internets bei. Dafür gibt es bei den Piraten die verschiedensten Informationskanäle, über die dann auch jeder direkt in die Politik eingreifen kann.

Steht jetzt die Gründung eines Kreisverbands der Piratenpartei in Hersfeld-Rotenburg an?

Peter: Ja, aber dafür gibt es bislang noch keinen Termin. Wir wollten zunächst die Basis breiter aufstellen und uns bekannter machen. Dafür geben wir zum Beispiel Interviews in Zeitungen (lacht). Es gibt auch Infostände, eine Internetadresse, und wichtig ist auch die Mund zu Mundpropaganda. Es bringt ja nichts, wenn wir einen Vorstand wählen, der keinen Unterbau hat. Für die Piraten ist die Basis ohnehin am Wichtigsten. Der Vorstand ist bei uns nur die Linse, die die Meinungen der Partei bündelt.

www.piratenpartei-hefrof.de

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