Runder Tisch zur Werraversalzung in Hann. Münden – K+S: Einleitanträge für Weser und Nordsee noch 2012

Pipeline-Planer fahren doppelgleisig

hann. münden. Der runde Tisch zur Werraversalzung, sonst meist eine geschlossene Veranstaltung, gibt heute ab 18 Uhr in der Mündener Rathaushalle bei einem öffentlichen Podium Flussanliegern bis hinunter nach Bremen das Wort. Fragen und Antworten:

? Was soll ein Podium? Dass Werra- und Weseranlieger die Flüsse salzfrei haben wollen, ist doch bekannt...

!Stimmt. Im Herbst 2011 gab es ein ähnliches Podium in Philippsthal. Dort, mitten im Kalirevier, sind Jobs und Zukunft des Bergbaus ein Topthema. Das ist in Hann. Münden ganz anders: Wirtschaftliche Vorteile der Gruben – Arbeit, Aufträge und Steuern – rücken in den Hintergrund. Je weiter weg vom Revier man geht. Ein anderer Blick auf die Dinge also. Zudem wird Niedersachsen zur Lösung der Salzabwasserprobleme zunehmend wichtig.

? Wieso? Die politische Mehrheit im Landtag von Hannover will keine Salzabwasserleitung zur Nordsee...

!Vor der Landtagswahl 2013 wird sich das kaum ändern. K+S führt aber Gespräche mit Niedersachsens Regierung. Das Wattenmeer nahe den Ostfriesischen Inseln ist als Einleitepunkt wohl aus dem Rennen – nun wird der Jade-Weser-Port angezielt. Dort fließt bereits konzentrierte Salzlösung ins Meer, die beim Ausspülen großer Erdgasspeicher nahe Wilhelmshaven anfällt. Einleitanträge will K+S Ende 2012 stellen. Für die Nordsee, aber auch für die Weser auf hessischer Seite.

? Warum gibt es zwei Varianten?

Der runde Tisch hat das Rohr zur Nordsee mit großer Mehrheit als beste Lösung empfohlen. Es würde zwei alte Entsorgungswege überflüssig machen. Also: Keine Fabrik- und Haldenabwässer mehr in die Flüsse, nichts mehr in die Versenkung. Vor 2020 rechnet aber niemand mit Fertigstellung des langen Rohrs. Das kurze zur Oberweser käme billiger, vielleicht schneller. Es könnte wenigstens der Werra und der Weser bis hinter Hann. Münden die Salzflut ersparen, ohne dass es weserabwärts schlimmer werden soll.

? Und wie kann das funktionieren?

!Angenommen, bei Bad Karlshafen würde eingeleitet: Salzabwasser kommt dort so oder so durch – über die Werra oder aus dem Rohr. Die Chloridkonzentration im Fluss darf sich auch in Karlshafen mit Rohr gegenüber heute nicht erhöhen. Das heißt: Die Einleitung muss dem Wasserstand folgen. Das heißt auch: Wenn man die Kaliproduktion nicht dauernd bei Regen hoch- und bei Trockenheit runterfahren will, muss es irgendwo zwischen Fabrik und Fluss Abwasser-Pufferspeicher geben. Diesen Puffer hat K+S bis 2015 noch mit der Versenkung: Ist die zulässige Salzkonzentration im Fluss erreicht, geht Abwasser einfach in den Untergrund. Damit will das Land Hessen aber baldmöglichst Schluss machen, weil das Abwasser großteils wieder hochkommt und so Grund- und Trinkwasser bedroht.

? K+S will für 360 Mio. Euro sein Abwasser bis 2015 auf 7 Mio. Kubikmeter reduzieren...

Das wäre eine Menge, vielleicht geht technisch sogar noch mehr. Sieben Millionen Kubikmeter ist andererseits mehr als die vergangenen Jahre jeweils in die Werra geleitet werden durfte. Ohne Speicher - oben oder unten - wird das zum Problem. Beim RP Kassel steht der Werragrenzwert (2500 mg/l Chlorid beim Pegel Gerstungen) zur Verlängerung an. Dass er groß gesenkt wird, ist deshalb unwahrscheinlich. Die K+S-Produktion soll nicht gefährdet werden. Und beim Wasserschutz haben Grund- und Trinkwasser politisch und juristisch Vorfahrt vor den Flüssen – auch wenn der runde Tisch 2008 anders startete.

Von Wolfgang Riek

Kommentare