HZ-Montagsinterview: Armin Fuhrmann, scheidender Leiter des Kirchenkreisamts

Pionier der Gemeinsamkeit

Hersfeld-Rotenburg. Armin Fuhrmann (41), der Leiter des Kirchenkreisamts Hersfeld-Rotenburg, wechselt ins Landeskirchenamt nach Kassel. Offiziell ab dem 1. Januar 2011 ist der Kirchenverwaltungsoberrat neuer Referatsleiter der Haupt- und Personalverwaltung in der Verwaltungszentrale der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen Waldeck. Ab heute fährt Fuhrmann nicht mehr nach Bad Hersfeld, sondern nach Kassel, um sich in die neuen Aufgaben einzuarbeiten, die bislang Herbert Viering ausführte. An seinem letzten regulären Arbeitstag vor der feierlichen Verabschiedung besuchten wir den nach oben strebenden kirchlichen Hauptverwaltungsbeamten.

Wann waren Sie zuletzt in der Kirche, Herr Fuhrmann?

Armin Fuhrmann: Das war vorletzte Woche.

War das privat oder dienstlich?

Fuhrmann: Natürlich privat beim Gottesdienst in Rotenburg mit Frau und Kindern.

Sie räumen gerade Ihren Arbeitsplatz und nehmen auch das Bild mit, auf dem Arbeiter in schwindelnder Höhe auf einem Stahlträger frühstücken. Welche Gefühle haben Sie beim Wechsel nach Kassel?

Fuhrmann: Nach lebhaften Jahren Arbeit in den Kirchenkreisen Hersfeld und Rotenburg erfüllt der Abschied mich schon mit Wehmut. Andererseits erfüllt mich auch Vorfreude auf die neue Herausforderung.

Was hat Sie zum Wechsel bewogen?

Fuhrmann: Die Herausforderung liegt darin, dass die Dimension der Arbeit größer wird und die Zahl der Mitarbeiter, deren Arbeit ich verantworte, deutlich steigt.

Auch in Bad Hersfeld war Ihre Aufgabe nicht gerade einfach. Sie waren der erste Leiter der beiden fusionierten Rentämter in Bad Hersfeld und Rotenburg. Wie ist in Ihren Augen dieses Start-up gelaufen?

Fuhrmann: Das Kirchenkreisamt war eine komplette Neugründung. Und wie bei jedem Neustart holpert’s dann auch mal. Wir mussten Schwierigkeiten meistern, Widerstände überwinden und ausgleichen. Ich glaube dennoch, dass uns die Fusion ganz gut gelungen ist.

Wie haben Sie die Befürchtung der Pfarrer gemeistert, die damals einen Verlust von Nähe zu ihrem Dienstleistungszentrum prophezeit hatten?

Fuhrmann: Das ist ein heikler Punkt. Wir als Verwaltung müssen uns konsolidieren und schrumpfen. Alte Gewohnheiten, die man unter dem Posten Komfort verbuchen konnte, mussten wohl oder übel aufgegeben werden. Mit technischen Lösungen haben wir uns bemüht, den Service dennoch aufrechtzuerhalten und weniger Papier zu bewegen. Dazu haben wir von der Komm-Struktur auf die Geh-Lösung umgestellt. Das heißt, wir sind mehr auf die Pfarrer und die Gemeinden zugegangen.

Stichwort Sparzwang. Ist das Kirchenkreisamt unter diesem Gesichtspunkt ein Erfolgsmodell?

Fuhrmann: Maßgabe der Fusion war, dass das Kirchenkreisamt wirtschaftlich rationell arbeitet. Das ist uns in den zurückliegenden fünf Jahren gelungen.

Dabei mussten Sie im wahrsten Sinne des Wortes Diener zweier Herren sein, denn ihre Chefs sind Dekanin Gisela Strohriegl und Dekan Ulrich Brill. Wie haben Sie diesen Spagat geschafft?

Fuhrmann: Mit diesem permanenten Interessenausgleich muss man leben.

Ihr neues Aufgabengebiet ist umfangreicher, und Sie haben nun nicht mehr 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern 80. Folglich steigt im Angesicht des knappen Geldes auch die Zahl der unangenehmen Entscheidungen. Belastet Sie das nicht?

Fuhrmann: Man muss darauf achten, dass man in Zeiten, in denen konsolidiert und gespart wird, nicht das letzte Licht ausmacht. Die Verpflichtung zum Sparen kann auch die Chance bieten, Neues zu gestalten und Horizonte zu öffnen. Für Betroffene ist das beschwerlich, aber ich sehe auch positive Aspekte darin.

Sie gehen als Dienstleister und Rechnungsführer zu den Kirchenvorständen in die Gemeinden. Wie ist dort die Stimmung?

Fuhrmann: Grundsätzlich gut. Wenn gespart werden muss oder Pfarrstellen eingespart werden müssen, sind das ungewohnte Fragestellungen für Kirchenvorstände. Und dabei stoßen sie häufig auch an Belastungsgrenzen.

Wie geht es Ihnen dabei, wenn Sie dort auftauchen als personifizierter Sparzwang?

Fuhrmann: Es ist klar, dass unsere Mittel schrumpfen. Aber wir werden keine Schulden machen und sind uns deshalb einig, dass wir uns aufs Kerngeschäft konzentrieren und unsere Strukturen neu ordnen müssen. Und so gehe ich auch an die Sache heran.

Leger ausgedrückt gleicht Ihr Beruf dem büroleitenden Beamten im Rathaus. Welche Rolle spielt für Sie dabei der Glaube?

Fuhrmann: Wir alle, die wir in der Kirche arbeiten, erfüllen einen gemeinsamen Auftrag. Im kommunalen Bereich brechen eher Konflikte auf. Bei uns im kirchlichen Dienst versucht man mehr, so etwas zu vermeiden. Wir sehen uns alle als Glieder am Leib Gottes, und so arbeiten wir auch.

Machen der Glaube und das christliche Bekenntnis der Kirchenverwaltung die Arbeit schwer?

Fuhrmann: Es macht die Arbeit nicht schwieriger, aber manche Prozesse verlaufen dadurch langwieriger, weil man darum bemüht ist, eine möglichst große Anzahl von Menschen auf dem Weg mitzunehmen. ZUR PERSON

Von Kurt Hornickel

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