Landkreis macht mobil gegen Volkskrankheit: Patientenzahlen steigen

Ein Pieks gegen Diabetes

Die Stiftsruine erstrahlt blau, als „Leuchtfeuer der Hoffnung“ im Kampf gegen Diabetes. Fotos: Konopka

Bad Hersfeld. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind nach Schätzung des Schenklengsfelder Diabetologen Dr. Frank Klein mindestens 25 000 Menschen an Diabetes erkrankt. Bundesweit sind es rund acht Millionen Zuckerkranke. Die Dunkelziffer dürfte noch mal so hoch sein.

Leuchtfeuer der Hoffnung

Mit einem „Leuchtfeuer der Hoffnung“ soll Diabetes der Kampf angesagt werden. Rund um den Weltdiabetestag am 14. November erstrahlen berühmte Bauwerke in blauem Licht. Auch die Bad Hersfelder Stiftsruine gehört dazu.

„Viele Erkrankte denken, ich habe nur ein bisschen Zucker“, weiß Konrad Mück von der örtlichen Diabetes-Selbsthilfegruppe. Viele von ihnen kommen erst zum Arzt, wenn sie Komplikationen haben, kritisiert Diabetologe Klein. „Es gibt im Kreis erstaunlich viele Vorsorge-Angebote, aber sie werden viel zu wenig angenommen.“

„Diabetes tut nicht weh, deshalb fehlt vielen Menschen der Antrieb, zum Arzt zu gehen“.

Professor Gerd Oehler Chefarzt Vitalisklinik

Das soll sich jetzt ändern: Bei Prävention und Schulung wird unsere Region eine Vorreiterrolle spielen. Zur Vorstellung der Kampagne der Landesärztekammer hatten sich Ärzte, Therapeuten und Vertreter von Selbsthilfegruppen an der blau erleuchteten Ruine versammelt, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Organisiert hatte das Zusammentreffen das Klinikum Bad Hersfeld.

„Diabetes tut nicht weh, deshalb fehlt vielen Menschen der Antrieb, zum Arzt zu gehen“, weiß Professor Gerd Oehler, der Chefarzt der Vitalisklinik. Trotzdem können die Folgen der Erkrankung gravierend sein: Durchblutungsstörungen, die Amputationen nach sich ziehen können, Nierenfunktionsstörungen oder Sehbehinderungen sind mögliche Folgeerkrankungen.

Dabei gibt es genügend Vorsorgeangebote, die von den Kassen bezahlt werden. „Ein kleiner Pieks zur Blutabnahme, mehr ist nicht nötig“, sagt Dr. Klein und rät vor allem Übergewichtigen, Bluthochdruck-Patienten und solchen mit familiären Vorerkrankungen dringend zur Untersuchung.

Ein Grund für die Zunahme der Diabeteserkrankungen ist unser Lebensstil: „Diabetes ist eine Wohlstandskrankheit, die durch unser Bewegungsfehlverhalten begünstigt wird“, erklärt Dr. Klein. Auch Kinder seien davon immer häufiger betroffen. Pro Person und Tag würden ungefähr 800 Kalorien zu viel eingekauft und häufig verzehrt, berichtet Professor Oehler.

Dr. Klein warnt vor bedrohlichen Aussichten für die Zukunft. Experten prognostizieren bis 2030 eine Zunahme der Diabeteserkrankungen um fast 80 Prozent bei Männern und rund 50 Prozent bei Frauen, was verheerende Auswirkungen auf das Gesundheitssystem hätte, wenn nicht gegengesteuert wird. Deshalb ist der Kreis Hersfeld-Rotenburg fest entschlossen, Diabetes den Kampf anzusagen. (kai)

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