Massive Beleidigung von zwei Polizisten soll ein Missverständnis gewesen sein

Phonetischer Rechtsstreit

Bad Hersfeld. Was für zwei Rotenburger Polizisten wie eine besonders üble Beschimpfung klang, das soll angeblich nur ein phonetisches Missverständnis in russischer Sprache gewesen sein – was der Strafrichter am Bad Hersfelder Amtsgericht jedoch nicht glaubte: Wegen Beleidigung verurteilte er einen 26-Jährigen aus Rotenburg zu 800 Euro Geldstrafe.

Passiert war das Ganze tief in der Nacht zum 4. März vergangenen Jahres im Steinweg. Hier hatte ein aufmerksamer Anwohner einen „randalierenden Russen“ bemerkt, der eine Reihe von Schaufensterscheiben traktierte. Weil es zu dieser Zeit immer wieder zu Sachbeschädigungen in diesem Bereich gekommen war, informierte der Zeuge die Polizei.

Zwei Ordnungshüter kontrollierten kurz darauf einen Radfahrer, der mit der Sache jedoch nichts zu tun hatte, und nahmen dann in einem Geschäftseingang den späteren Angeklagten wahr.

Der vielfach vorbestrafte Mann weigerte sich, seine Personalien überprüfen zu lassen. Im erregten Wortwechsel, der wohl auf Deutsch und Russisch geführt wurde, hörten die Polizisten neben anderen unflätigen Begriffen das Schimpfwort „Schwanzlutscher“ – und das war dann mehr als die Beamten im Eifer des Gefechts hinzunehmen gewillt waren.

Der 26-Jährige, der beider Sprachen mächtig ist, ließ jedoch über seinen Verteidiger ausführen, dass er die Polizisten keineswegs beleidigt, sondern nur gefragt habe, ob sie nichts Besseres zu tun hätten. Auf Russisch lässt sich in diesem Satz an einer Stelle etwas heraushören, was auf Deutsch so ähnlich wie „Schwanzlutscher“ klingt.

Richter Michael Krusche ließ sich darauf nicht ein: „Er sollte kontrolliert werden, hat sich geweigert und die Polizisten beleidigt“, hieß es in der knappen Urteilsbegründung. Die Strafe entsprach dem Antrag von Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken.

Von Karl Schönholtz

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