Neues Konzept gegen Burn-Out: Arzt, Anwalt und Therapeutin arbeiten zusammen

Mit Phönix aus der Asche

Einfach mal still auf der Bank sitzen – dafür nehmen sich viele Menschen vor lauter Arbeitsdruck zu wenig Zeit. Die Folge ist oft Burn-Out: Mit dem fachübergreifend Phönix-Projekt wollen der Arzt Dr. Martin Ebel, die Psychotherapeutin Sabine Ludwig und der Rechtsanwalt Frank Jansen (von links) Betroffenen helfen. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Wer sich sehr in seinen Beruf engagiert, für seinen Job brennt, der läuft oft auch Gefahr auszubrennen. Rund neun Millionen Menschen sollen in Deutschland von „Burn-Out“ betroffen sein, die Dunkelziffer ist vermutlich höher. Erkrankte fehlen oft viele Wochen und ihren Firmen entsteht dadurch ein wirtschaftlicher Schaden.

Viel schlimmer aber noch: „Viele steigen nach einer Erkrankung zu früh wieder ein, und es fehlen ambulante Angebote gerade in der kritischen Phase der Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag“, sagt die Bad Hersfelder Psychotherapeutin Sabine Ludwig, die in ihrer Praxis viele Burn-Out-Patienten betreut.

Ein neues, in dieser Form im Kreis einmaliges, Angebot soll diese Versorgungslücke schließen. Gemeinsam mit dem Allgemeinmediziner Dr. Martin Ebel und dem Rechstanwalt, Arbeitsrechtler und Mediator Frank Jansen startete Ludwig das Phönix-Projekt, in dem die drei Fachleute die notwendige medizinische Erstbetreuung mit Psychotherapie, juristischer Betreuung sowie Mediation und Coaching kombinieren.

„Unbemerkt heißlaufen“

„Wer seinen Job gern macht, merkt oft gar nicht, dass er heißläuft und in die Abwärtsspirale gerät“, sagt Dr. Ebel. Besonders oft seien Menschen in sozialen, Heil- und Hilfsberufen betroffen. Aber selbst in medizinischen Berufen fehle oft ein Wiedereingliederungsmanagement für Burn-Out-Erkrankte, erklärt Ebel.

Dabei ist die medizinische Behandlung der Patienten nur der erste Schritt. Wichtig sei es, das Arbeitsverhalten grundlegend zu ändern, „sonst kommen die alten Muster schnell wieder“, warnt Sabine Ludwig. Dabei sei dann oft auch die Vermittlung durch den Arbeitsrechtler erforderlich.

„Es gibt viele Gründe für Burn-Out, beispielsweise die Arbeitszeiten, die ständige Erreichbarkeit per Handy oder E-Mail, aber auch Mobbing am Arbeitsplatz“, berichtet Rechtsanwalt Jansen. Deshalb richte sich das Phönix-Konzept nicht nur an Erkrankte, sondern auch an deren Arbeitgeber. „Wir wollen gemeinsam überlegen, wie man die Menschen wieder in ihren Job zurückbringen kann“, erklärt Jansen.

„Ein Rechenexempel“

Natürlich kostet eine solche Rundum-Therapie Geld, die Kosten für die Behandlung werden meist nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. „Es ist ein Rechenexempel für die Firmen, denn wenn ein qualifizierter Mitarbeiter ausfällt, kostet das auch viel Geld“, sagt Sabine Ludwig. Viele Unternehmen seien aber inzwischen sehr sensibilisiert für das Thema, hat Dr. Ebel festgestellt.

Kein Wunder, denn Ausfälle durch psychische Belastungen am Arbeitsplatz verursachen allein in Deutschland pro Jahr einen volkswirtschaftlichen Schaden von über sechs Milliarden Euro, schätzen Experten. Dennoch haben immer noch viele Erkrankte Angst, ihre Probleme zuzugeben – oder sie überhaupt zu erkennen. „Burn-Out ist so ähnlich wie Alkoholismus: Man merkt oft zunächst gar nicht, dass man ein Problem hat“, sagt Sabine Ludwig. Kontakt: Praxis für Psychotherapie Ludwig-Gerlach, Telefon: 06621-96 83 96 1 oder per Mail: sl@burnout-badhersfeld.de Mehr Infos: www.burnout-badhersfeld.de

Von Kai A. Struthoff

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