Interview mit Barbara Wussow über die Schwarzwald-Klinik, Herz-Schmerz und Mode

Pflaster für die wunde Welt

Eine Schauspielerin mit vielen Gesichtern: Gestern war Barbara Wussow zu Gast in Bad Hersfeld und präsentierte Mode. Foto: nh/Gelco

Bad Hersfeld. Die Sprechstunde bei Professor Brinkmann in der Schwarzwald-Klinik hätte kaum voller sein können: Barbara Wussow hat gestern im Mode Centrum Sauer die Sommer-Kollektion der Firma Gelco präsentiert, und der Andrang war groß. Trotzdem fand die Schauspielerin Zeit für ein Gespräch mit Kai A. Struthoff und Kristina Marth.

Frau Wussow, jede Menge Männer meiner Generation wären Mitte der 80er Jahre liebend gern krank geworden, um von Lernschwester Elke den Puls gefühlt zu bekommen. Wie denken Sie heute über die oft etwas belächelte Schwarzwald-Klinik?

Barbara Wussow: (lacht) Die Schwarzwald-Klinik wurde nur zu Anfang etwas belächelt und war dann sehr erfolgreich. Für mich war das meine Geburtsstunde als Fernsehschauspielerin. Zuvor hatte ich vier Jahre Theater gespielt. Für mich gab es keine bessere Rolle als die zunächst nur kleine der Schwester Elke, die Betten aufschüttelt und Patienten tätschelt...

Die Rolle ist dann schnell gewachsen und Sie durften auch Sascha Hehn tätscheln...

Wussow: Ja, Gott sei Dank, der war ja auch sehr lieb. Wir waren gut befreundet, auch wenn wir uns jetzt etwas aus den Augen verloren haben.

Wenn die Schwarzwald-Klinik lief, saß die ganze Familie – Oma, Opa, Eltern, Kinder – vor dem Fernseher. Warum gibt es heute solche Generations-übergreifenen TV-Erfolge kaum noch?

Wussow: Das Kochrezept der Schwarzwaldklinik hat einfach gestimmt. Es waren sehr gute Bücher und hervorragende Schauspieler. Aber es gab auch noch keine Privatsender. Unser Konkurrenz waren nur Tatort, Der Alte und Derrick – sonst nichts. Mit der Schwarzwald-Klinik wurde die Familienserie geboren und brachte Themen, die alle interessierten. Die Menschen haben es geliebt, das beweist die hohe Quote.

Sie haben meist die Netten und Guten gespielt. Wollten Sie nie das Biest, das Ekel sein, oder passt das nicht zu Ihnen?

Wussow: Doch, ich bin Schauspielerin und kann alles spielen. In der letzten Zeit haben mich jetzt die Krimis entdeckt, was gar nicht schlecht ist. „Mordkommission Istanbul“ im vergangenen Jahr, Karfreitag kommt ein „Soko-Special“, im April spiele ich eine etwas zwielichtige Rolle in „Soko-Donau“. Ich würde auch gern mal wieder Komödie spielen. Aber ich bin auch gern in den großen Emotionen und Gefühlen zuhause.

Herz-Schmerz- und Heile Welt-Filme – das sind also keine Beleidigungen für Sie ?

Wussow: Nein, vor allem nicht in dieser Zeit. Wir haben so viele Katastrophen rund um uns herum. Da ist man dankbar für 90 Minuten Ablenkung. Rosamunde Pilcher hat einmal zu mir gesagt, sie schreibe keine Heile-Welt-Geschichten, sondern heilende Welt Geschichten. Sie geben für kurze Zeit ein Pflaster auf die Wunden des Lebens.

Ablenkung bietet auch die Theaterbühne. Ihr Vater hat bei den Hersfelder Festspielen gespielt, Sie noch nicht. Sind Sie eher Fernsehschauspielerin?

Wussow: Nein, überhaupt nicht. Ich habe sieben Theatertourneen gemacht. Doch oft passt das Theaterspielen einfach zeitlich nicht zum Fernsehen. Aber ich würde gern auch mal in Bad Hersfeld spielen, wenn man mich ruft.

Sie sind vor einer Woche 50 geworden – herzlichen Glückwunsch nachträglich! Ist dieses Alter eine Zäsur für eine Schauspielerin?

Wussow: Ich habe bisher nur positive Erfahrungen mit dem Älterwerden gemacht. Die Rollen wandern jetzt mehr ins Charakterfach. Ich nenne meine Fältchen gern Sonnenstrahlen und habe überhaupt keine Probleme mit dem Alter.

Jetzt präsentieren Sie Mode. Ist das ein Rollenwechsel?

Wussow: Ich bin eigentlich gelernte Kostümbildnerin und habe am Max-Reinhard-Seminar drei Stücke ausgestattet. Ich habe ein Faible für Mode und finde es wunderbar, wie man Menschen für verschiedene Situationen verkleiden und sie dann in unterschiedliche Rollen schlüpfen – einfach nur durch die Kleidung. Aber ein Rollenwechsel ist das nicht, sondern nur ein weiterer Teil meiner Person.

Ich habe irgendwo gelesen, dass Sie sich noch ein Kind wünschen?

Wussow: (erschrocken, dann lachend) Nein, nein, ich liebe Kinder, und wenn ich zehn Jahre jünger wäre, hätte ich mir das überlegt, aber dafür hätte ich früher anfangen müssen.

Barbara Wussow im Mode-Centrum Sauer

Sie könnten ja ein Kind adoptieren, das tun doch einige Schauspielerinnen?

Wussow: Ich habe zwei noch recht kleine Kinder, denen ich meine volle Kraft gebe. Außerdem habe ich mein ehrenamtliches Engagement beispielsweise für die Kinder-Krebs-Nachsorge und die SOS-Kinderdörfer. Dort habe ich auch ein Patenkind, den kleinen Joschi aus Ungarn, der genauso alt ist wie mein Sohn. Eine Adoption kommt für mich nicht in Frage.

Was dürfen wir in nächster Zeit noch von Ihnen erwarten?

Wussow: Unglaublich viel, ich bin nicht zu bremsen. Schon gar nicht durchs Alter. In Wien sagen wir: Jetzt reiß’ ich der Welt a Hax’n aus...

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