Roller, Segway und Dreirad: Der Fuhrpark in „Don Quijote“ regt die Fantasie an

Ein Pferd mit zwei Rädern

Die heimlichen Stars des Festspiel-Familienstücks „Don Quijote“: Es braucht gar nicht so viel Fantasie, um in den beiden Motorrollern Pferd Rosinante und Esel Grauohr zu erkennen. Der Kommissarius rollt mit einem Segway über die Bühne, das Fahrrad gehört ebenfalls zum Stück. Mit im Bild Requisiteurin Suse Walkowiak und die Schauspieler Thomas Gimbel und Maximilian Pekrul (von links). Fotos: Maaz

Bad Hersfeld. Wenn Don Quijote, der Ritter von der traurigen Gestalt, mit seinem Roller über die Bühne der Stiftsruine rollt, ist ganz klar: Das ist Rosinante, sein Pferd. Was auch sonst? Genauso ist der Roller seines Knappen Sancho Pansa eindeutig ein Esel. Grauohr. Kein Zweifel. Und wenn der Kommissarius auf seinem Segway thronend hereinrollt, ist seine überhebliche Macht fast greifbar, wohingegen das Dreirad in Pink und Weiß von Sanchita Pansa fast schreit: Achtung, hier kommt ein kleines Mädchen.

„Wie ein Roadmovie“

Dem beeindruckenden Fuhrpark des Familienstücks kommt eine ganz besondere Bedeutung zu – nicht nur optisch, auch inhaltlich. „So funktioniert die Fantasie von Don Quijote“, sagt Regisseur Tobias Bungter mit Blick auf Pferd und Esel. „Er macht sich die Welt so, wie sie ihm gefällt, wie er sie sieht.“ Mit viel Liebe zum Detail haben die Mitarbeiter der Kostüm- und Ausstattungsteams Hand in Hand gearbeitet. Eine weitere, symbolische und praktische Funktion der Fahrzeuge: „Mit ihnen hat das Stück ein bisschen was von einem Roadmovie“, meint Bungter. Außerdem könnten so die Weite der kargen Landschaft La Manchas, die verschiedenen Orte und Etappen in der Geschichte schnell und elegant gezeigt werden, unter Ausnutzung der gesamten Bühne.

Für Thomas Gimbel, der Sancho Pansa spielt, war der Ritt auf dem Esel eine Premiere. „Ich bin vorher noch nie mit einem motorisiertem Zweirad gefahren, nur Fahrrad“, berichtet er. Er sei jedoch ganz froh gewesen, dass es keine echten Tiere im Stück gibt: „Ich habe eine Pferdehaarallergie.“

„Zuerst hatten wir eigentlich die Idee, ein Motorrrad oder eine Vespa mit Beiwagen zu nehmen“, so Bungter. Diese seien allerdings zu groß, zu schwer oder zu teuer gewesen. Auf die beiden Roller machte das Team schließlich der technische Leiter Hans Hagenauer aufmerksam; sie stammen noch aus Romeo & Julia.

Spaß an seinem rollenden Arbeitsgerät hat auch Maximilian Pekrul als Kommissarius Rodrigo Rodriguez: „Den Segway würde ich am liebsten mitnehmen, wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Das ist ein lustiges Ding.“ Damit es auf der Bühne ja nicht stehen bleibt, muss das elektrisch betriebene Gerät regelmäßig aufgeladen werden.

Der Segway ist für die Spielzeit ausgeliehen, das Dreirad von Sanchita Pansa haben die Don-Quijote-Macher über eine Kleinanzeige gefunden, und es dann „frisiert“. „Anfangs hatte ich Muskelkater, aber wenn man ein wenig sportlich ist, ist es kein Problem damit zu fahren“, verrät Laura Quarg, die schon bei ihrem ersten Auftritt mit dem Rad das Publikum amüsiert und inzwischen richtig Spaß an dem Gefährt gefunden hat. Maximilian Pekrul überlegt indes, mit seinem Segway über die Grenze zu flüchten ...

Von Nadine Maaz

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