Dr. Michael Winterhoff referiert über die teilweise verheerende Ausbildungsreife

Persönlichkeiten statt Tyrannen

Michael Winterhoff Foto: Peter Wirtz

Bad Hersfeld. Michael Winterhoff wird am Mittwoch, 16. März, ab 19 Uhr in der Stadthalle Bad Hersfeld einen Vortrag zu seinem Buch „Persönlichkeiten statt Tyrannen oder Wie junge Menschen in Leben und Beruf ankommen“ halten. Der Vortrag widmet sich dem Thema: Wie Jugendliche nachreifen und im Berufsleben Fuß fassen können. Die anschließende Diskussion moderiert Markus Pfromm, Geschäftsführer der Hersfelder Zeitung.

Immer mehr ausbildende Unternehmen auch in unserer Region beklagen bei ihren Auszubildenden ein Defizit der Ausbildungsreife. Diese Feststellung deckt sich mit Aussagen des Berufsbildungsberichtes 2010 der Bundesregierung, in welchem 47,3 Prozent der Auszubildenden als nicht ausbildungsreif beschrieben werden. Welche Ursachen können hierfür verantwortlich sein?

Das Autorenteam Isabel Thielen und Dr. Michael Winterhoff hat in dem Buch „Persönlichkeiten statt Tyrannen oder Wie junge Menschen in Leben und Beruf ankommen“ interessante Aspekte zu diesem Themenkomplex herausgearbeitet, in deren Mittelpunkt die unzureichende Ausbildungsreife und deren Ursachen stehen.

Das Projekt RegioPLUS konnte im Rahmen seines Forums „Ausbildung im Dialog“ Dr. Michael Winterhoff für einen Vortrag gewinnen.

Wie hat man sich die Ausbildungschancen von Jugendlichen vorzustellen, die Fremdbestimmung nicht aushalten, unvermeidliche Frustrationen nicht verarbeiten können? Wie ist es um die Teamfähigkeit von Berufseinsteigern bestellt, deren Prinzip ‚Ich-alles-sofort’ lautet?

Und wie soll ein Unternehmen auf Mitarbeiter bauen, die ausschließlich lustorientiert funktionieren, nur im Heute leben und keinerlei Verantwortung für sich und andere übernehmen können?

Aufrüttelnde Analyse

Der renommierte Kinderpsychiater Dr. Michael Winterhoff analysiert in teils aufrüttelnder Klarheit die Auswirkungen der Reifedefizite auf die Ausbildungs- und Arbeitsfähigkeit junger Erwachsener: Betroffen sind nicht nur weite Teile unserer Gesellschaft, sondern besonders auch die Leistungsfähigkeit von Betrieben und Volkswirtschaft.

Sind es fehlende pädagogische Konzepte, unmotivierte Lehrer, desinteressierte Eltern, die das überdeutlich zu Tage tretende Bildungsleck kommender Generationen zu verantworten haben? Sind es Computerspiele, die Gewaltexzesse verursachen?

Beileibe nicht, weiß Winterhoff: „Alle diese Erklärungsversuche greifen zu kurz.“ Das zeige schon ein zweiter Blick auf die in den Medien abgebildete Spitze des Eisbergs: Nicht vornehmlich vernachlässigte Kinder erschrecken uns da, sondern in der Mehrzahl der Nachwuchs der sicher geglaubten Mittelschicht. „Der Einstieg in psychische Reifedefizite geschieht liebevoll und engagiert, aus bestem Wissen und Gewissen. Das macht die Situation noch schwieriger vermittelbar“, berichtet Winterhoff aus seiner täglichen Praxis.

†  Kostenlose Karten für die Stadthalle gibt es über das Projekt RegioPLUS, Sandweg 16, 36251 Bad Hersfeld, Telefon 06621/410 80 70, die Geschäftsstelle der Hersfelder Zeitung, oder die Filialen der Hoehlschen Buchhandlung in Bad Hersfeld, Bebra und Rotenburg.

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