Keine Sammelklage im schwelenden Tarifkonflikt

Performance Fibers hofft auf Einigung

Frank Sandrock

Bad Hersfeld. Im Tarifkonflikt beim Bad Hersfelder Kunstfaser-Hersteller Performance Fibers hoffen Betriebsrat und Geschäftsleitung gleichermaßen auf eine gütliche Einigung. „Ich nehme nicht an, dass es zu Klagen kommen wird“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Frank Sand-rock gegenüber unserer Zeitung. Auch aus Kreisen der Geschäftsleitung heißt es, eine Einigung mit den anderen Tarifparteien sei möglich.

Anders als ein örtliches Anzeigenblatt gemeldet hat, wird es aber keine Sammelklage geben, weil dies in Deutschland gar nicht möglich ist. Wenn überhaupt, könnte es nur Einzelklagen der Beschäftigten geben. Dafür laufen die Vorbereitungen.

4,1 Prozent mehr Lohn

„Wir wollen unsere Forderungen aber außergerichtlich geltend machen“, bestätigte auch der Verhandlungsführer der Gewerkschaft IGBCE, Hans Schweinsberg. Er erwartet von Performance Fibers, dass die in der Chemieindustrie bereits vor einem Jahr vereinbarte Lohnerhöhung von 4,1 Prozent an die Beschäftigten weitergegeben wird.

„Wir sind grundsätzlich kompromissbereit, aber bei den 4,1 Prozent gibt es keinen Verhandlungsspielraum, wir stehen bei den Beschäftigten im Wort“, sagte Schweinsberg. Er verwies darauf, dass die Mitarbeiter seit geraumer Zeit 39 statt der tariflich vorgeschriebenen 37,5 Stunden ohne Lohnausgleich arbeiten und auch auf ihre Jahresleistung verzichtet hätten.

Derzeit werden die Geschäftszahlen des US-Unternehmens von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer durchleuchtet, berichtet Betriebsratschef Sandrock. Man stehe in ein einem „konstruktiven Dialog mit der Geschäftsleitung“ bei der Suche nach Lösungen.

Die Stimmung im Unternehmen sei angespannt, dennoch fürchte niemand ernstlich eine Schließung des Standortes in Bad Hersfeld. „Im vergangenen Jahr gab es hier sogar 35 Neueinstellungen, das ist doch ein schöner Erfolg“, sagte Sand-rock. Das Unternehmen versuche derzeit mit „Nischenprodukten“, wie etwa neuen Garntypen, gegen die Konkurrenz aus Fernost zu bestehen.

Offiziell ist die Geschäftsleitung von Performance Fibers nicht bereit, sich zu den vielen kursierenden Gerüchten zu äußern. Bekannt ist, dass das Unternehmen mit der Billig-Konkurrenz aus Asien ringt. Hauptabnehmer von Performance Fibers ist die Automobilindustrie, wo derzeit die Nachfrage stagniert. Die Situation gilt daher als dauerhaft kritisch.

Dennoch heißt es aus Kreisen der Unternehmensleitung, man tue alles, um die Arbeitsplätze in Bad Hersfeld dauerhaft zu erhalten. „Sonst hätten wir die Produktion schon längst in unser neues Werk in China verlagern können“, sagt ein Manager, der nicht namentlich genannt werden möchte. (kai)

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