Wilde Outfits oder Biedermeier-Stil: Beim Verkauf aus dem Opernfundus war für jeden Geschmack etwas dabei

Die Patina muss bleiben

Was ist das? Etwas für „Sie“ oder für „Ihn“? Dies fragten sich die Besucher beim Anblick dieses einzigartigen Kleidungsstückes. Selbst als Strampler schien es nicht geeignet zu sein.

Bad Hersfeld. Schickes und auch weniger Schickes für den Hausgebrauch, auf jeden Fall sehr viel Brauchbares für die bevorstehenden Faschingsfeiern war am Samstag und am Sonntag an der Kegelbahn des Restaurants „Wildes Wässerchen“ zu erwerben.

Der Arbeitskreis für Musik bot den großen Kostümfundus der Opernfestspiele zum Verkauf an. „Alles muss raus“, betonte der 1. Vorsitzende der Musischen Bildungsstätte (Bach-Haus), Friedhelm Fett. Wer besonders viel, aber auch gar nichts Passendes fand, bekam von ihm noch ein „Dankeschön“- oder „Trostpflaster“-Geschenk mit auf den Weg. Aus einer großen Sammelkiste gab es ein Teil gratis.

Fummel zum kleinen Preis

Dicht gedrängt hingen in der Kegelbahn die Kleiderbügel auf den Garderobenstangen. Wer einen Umhang vom Gefolge der Königin von Theben tragen wollte, einen Kutschermantel suchte oder wie ein Pharao aussehen wollte, der hatte hier ausgiebig Gelegenheit, seine Träume für „kleine“ Preise von 5 bis 40 Euro wahr werden zu lassen. Für ein Dorffest im Schwalm-Eder-Kreis ging eine ganze „Landsknechtzug“-Ausstattung raus. Ebenso ein Verkaufshit waren die Mönchsgewänder, die schnell weg waren.

„Die Kostüme sind noch nicht verbraucht“, sagte Fett. Sie kamen zum größten Teil von den „Städtischen Bühnen Frankfurt am Main“. Was auf großen Bühnen in einer Spielzeit getragen wird, will kein Regisseur ein zweites Mal haben. Deshalb machen viele Theater einmal im Jahr so einen Ausverkauf.

In Faschingshochburgen ist dann der Absatz besonders hoch, doch auch beim Verkauf an der Meisebacher Straße war das Interesse groß. Bis zu 300 Leute sind laut Fett allein am Samstag zum Kleiderbügelschieben gekommen. „Jetzt werden bei den Prunksitzungen in Sorga, Kathus und Arzell sicherlich viele Pharaonen rumlaufen, denn die Sachen aus der Aida-Produktion waren sehr beliebt“, sagte Fett, der ein erstaunliches Verkaufsgeschick an den Tag legte. Er bot seine Hilfe beim Anziehen an und sorgte mit Scherzen für Unterhaltung beim Stöbern. Zur Jacke eines höfischen Beamten empfahl er einer Kundin schnell eine beigefarbene Seidenbluse.

Selbst Tipps zur Lederpflege bekam die Kundschaft von ihm: „Ein halbes Pfund Kaffee im Kleidersack hilft bei diesem Teil, das gerade nicht so gut riecht“. Auch größere Flecken oder Löcher hielten die Kaufinteressenten nicht von der Anprobe ab. „Das darf natürlich nicht in die Reinigung, das zerstört sonst die Patina“, erklärte ihnen Fett.

Manche Besucher trugen volle Waschkörbe hinaus. „Wir haben viele Leute glücklich machen können“, freute sich Fett und war sehr angetan von der hohen Spendenbereitschaft. Der Rest der Kleidungsstücke soll einem Händler übergeben werden. Aber es wird noch einen Gebäudeflohmarkt auf dem Gelände des verkauften Hotels geben.

Dabei sollen sogar die großen Neon-Buchstaben mit dem Namen „Wildes Wässerchen“ zu einem Spottpreis verhökert werden. „Das wäre ein toller Name für die Kellerbar daheim“, hatte Fett als Idee.

Von Vera Hettenhausen

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