Kostümprobe für die Sommergäste – 64 verschiedene Gewänder werden benötigt

Passend zum Charakter

Ein schlichtes, elfenbeinfarbenes Etuikleid wurde in der Kostümschneiderei für Charlotte Sieglin (links) genäht. Sie spielt die Warwara in Maxim Gorkis Sommergästen. Vera Hubalek überprüft, ob alles so sitzt, wie es soll. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Katharina Heistinger und Stephanie Krey kennen alle Geschäfte in Bad Hersfeld, inklusive der Second-Hand-Läden. Und die in Frankfurt und in Metzingen und in Wertheim und in vielen anderen Orten kennen sie auch.

Katharina Heistinger ist die Kostüm- und Bühnenbildassistentin für die Festspiel-Produktion „Sommergäste“ von Maxim Gorki, Stephanie Krey leitet die Kostümabteilung. Gemeinsam waren sie auf der Suche, um etwa 65 Kostüme für die Sommergäste aufzutreiben.

Detailreiche Zeichnungen

Wie die auszusehen haben, dafür gibt es ganz genaue Vorgaben von Kostümbildner Rudy Sabounghi. Er hat detailreiche Zeichnungen angefertigt, wie er sich seine Darsteller wünscht. „Für uns in der Kostümabteilung ist das viel schöner, wenn jemand gut und gerne zeichnet“ sagt Stephanie Krey. Sie hat auch schon mit Stapeln von Fotokopien oder grob auf’s Papier geworfenen Skizzen arbeiten müssen. Seit Mitte Februar wissen Heistinger und Krey, was Sabounghi haben will und seitdem haben sie schon so manche Einkaufstour gemacht.

Das ist in diesem Fall möglich, weil der Kostümbildner seine Darsteller in zeitgenössischer Kleidung sieht. Dennoch stellte sich die Suche nach den passenden Kostümen schwieriger heraus, als zunächst gedacht. Ein elfenbeinfarbenes, ganz schlichtes Etuikleid für die Warwara, zum Beispiel, war nirgendwo zu kriegen. Das wurde dann nach Maß in der Schneiderei der Festspiele angefertigt. Mit ihren roten Haaren, der hellen Haut und den grünen Augen sieht Charlotte Sieglin bei der Kostümprobe in der Schneiderei hinreißend darin aus.

Bei ihren Einkaufstouren mussten die beiden zudem aufs Budget achten. Jeder Fund in einem Second-Hand-Laden, jedes passgenaue Sonderangebot lösen da Begeisterung aus, ist es doch so möglich, bei Einzelstücken auch mal tiefer in den Geldbeutel zu greifen. Außerdem macht es den Mitarbeiterinnen in der Kostümabteilung richtig Spaß, mit eigenen Ideen fertig gekaufte Stücke so zu verändern, dass sie genau dem entsprechen, was sie gesucht haben. Kreativ sein, wenn man Geld ohne Limit hat, sei keine Kunst, da sind sich die beiden einig.

„Die Kostüme, so erklärt Stephanie Krey, „sollen die Charaktere erklären und einführen und die Handlung unterstützen.

Stoffe werden vorgewaschen

Wichtig fürs Theater und noch einmal mehr fürs Spiel unter freiem Himmel ist allerdings nicht nur Form und Farbe der Kostüme, sondern auch ihre Qualität. Die Stoffe der selbst geschneiderten Kleidungsstücke werden deshalb grundsätzlich vorgewaschen, um ihre Farbfestigkeit und Formbeständigkeit zu testen. „Wir wollen ja nicht, dass so ein Anzug nach dem ersten Regen einläuft“, erklärt Katharina Heistinger.

Zu beachten ist auch, wie die Kostüme mit den Requisiten reagieren. „Wir haben einen grünen Bodenbelag, von dem wir noch gar nicht wissen, was der machen wird“, sagt Stephanie Krey. Sie hat schon erlebt, dass ein heftiger Regenguss die Farbe des Bühnenbodes abgelöst und an die Kostüme gespült hat. Das bedeutet dann Nachtschicht in der Kostümabteilung, bis alle Teile wieder einsatzbereit sind.

Und natürlich sind die Kostüme für die Sommergäste nicht die einzigen, die in der Kostümschneiderei hergestellt oder von anderen Theatern ausgeliehen werden müssen.

Von Christine Zacharias

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