Bad Hersfelder Stadtverordnete diskutierten engagiert über das Windpark-Projekt

Parlamentarier im Zwiespalt

Bei den Beschlüssen zum Windpark auf dem Wehneberg bat Stadtverordnetenvorsteher Lothar Seitz (links) die Parlamentarier zur namentlichen Abstimmung. Am Ende zählte er beide Male eine klare Mehrheit dafür zusammen. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Als der SPD-Stadtverordnete Carsten Lenz nach fünfminütiger Rede auf seinen Platz zurückkehrte, war zum Thema Windkraft in Bad Hersfeld eigentlich alles gesagt. Lenz hatte die Debatte um den geplanten Windpark auf dem Wehneberg mit einer ebenso sorgfältigen Abwägung des Für und Wider eröffnet, hatte den eigenen Zwiespalt eindrucksvoll beschrieben.

Dabei ging er auf den Schaden, den das Naherholungsgebiet durch 200 Meter hohe Propellermasten nehmen würde, genauso ein wie auf die Lehren, die aus den Atomunfällen von Fukushima gezogen werden müssten. Die Verantwortung für nachfolgende Generationen sei ebenfalls zu berücksichtigen, sagte Lenz und sprach zum Abschluss von der „Meinungsbildung als gelebter Demokratie“. Natürlich blieb es nicht bei diesem einen Beitrag, doch allen folgenden Rednern war diesmal das aufrechte Bemühen um größtmögliche Sachlichkeit gemein.

„Die Energiewende kann nur gelingen, wenn man die Weichen auch vor Ort zu stellen bereit ist“, sagte beispielsweise Bernd Böhle, dessen FDP-Fraktion zu den Befürwortern des Windparks gehört. „Wie ernst nehmen wir es mit der Energiewende?“, fragte die bündnisgrüne Antje Fey-Spengler, auch ihr Fraktionskollege Gerhard Finke (SPD) sah einen „aktiven Beitrag zum Umweltschutz“. Um Vertrauen in die Gutachten warb Hans-Jürgen Schülbe (Unabhängige) und sagte: „Wenn ich gegen Atomkraft bin, muss ich Alternativen schaffen.“

Bei den Gegnern des Projekts wog der „massive Eingriff in die Natur“ (Gunter Grimm, CDU) am schwersten. Michael Bock (NBL) fragte, ob der Schaden nicht größer sei als der Nutzen. Sein Fraktionskollege Dirk Bodes bezweifelte die Eignung des Standortes auf dem Wehneberg.

Bereits im Vorfeld der Beschlüsse war einerseits mit den zu erwartenden Einnahmen für die Stadt durch Pacht und Gewerbesteuer argumentiert worden wie auch mit dem Umstand, dass die Stadt durch ihr Ja zum Verfahren die Zügel aus der Hand gegeben habe und nun abhängig von den Gutachten-Bewertungen durch das Regierungspräsidium sei.

Von Karl Schönholtz

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