Ein Park, eine Linde und zwei Buchläden

Kai A. Struthoff

Gut gegrillt von der Sonne komme ich gerade von unserem ersten Sommerinterview im Schilde-Park zurück. Pünktlich zum Ferienbeginn wollen wir die Vorsitzenden der Parteien im Kreis zu den drängenden Themen unserer Region befragen. Mit SPD-Unterbezirkschef Torsten Warnecke haben wir gestern den Anfang gemacht. Was er zu den Themen Flüchtlinge, Windkraft oder Kommunalfinanzen zu sagen hat, lesen Sie am Montag in unserer Zeitung.

Unser Schilde-Park ist in diesem Sommertagen ein wahres Paradies inmitten der Stadt. Während unseres Interviews planschte eine dunkelhäutige Frau mit ihren beiden kleinen Kindern im Wasser des Springbrunnens. Vermutlich ist auch sie eine von vielen Flüchtlingen, die jetzt in unserem Kreis aufgenommen werden. Es war schön zu sehen, wie die Frau mit ihren niedlichen Kindern nach den Strapazen einer vermutlich langen Flucht nun unbeschwert die Normalität eines Sommertages genießen konnte.

Auch sonst tut sich im Schilde-Park einiges. Manche Stadtpolitiker feiern sich schon für den Erfolg, ein Ärztehaus auf dem Filetstück am Seilerweg ansiedeln zu können. Aber womöglich freuen sie sich zu früh. Denn immerhin gab es für dieses Grundstück zuvor einen Architektenwettbewerb. Auch wenn sich der ursprünglich interessierte Investor zurückgezogen hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass die beteiligten Architekturbüros ihr investiertes Geld so einfach abschreiben wollen. Mal sehen, ob das noch ein Nachspiel haben wird.

Unterdessen hat das Restaurant Konrads im Schilde-Park geschlossen. Schade, denn in den Strandkörben vor der Gaststätte mit Blick auf die Geis kam richtig Urlaubsstimmung auf. Offenbar hat das Zusammenspiel zwischen Mitmach-Museum und Gastronomie nicht so funktioniert, wie erhofft. Schauen wir mal, wie lange diese Lokalität in bester Lage geschlossen bleibt.

Manchmal sind wir Journalisten selbst erstaunt, auf welch heftige Resonanz manche Themen stoßen. Jüngstes Beispiel ist die Diskussion um die Linde an der Feuergrube am Marktplatz, die den Plänen für ein größeres Festzelt im Weg steht. Auf Facebook, im Internet und in der Leserbriefspalte bewegt dieses Thema die HZ-Gemeinde. Damit es keine Missverständnisse gibt: Natürlich weiß der Festzeltbetreiber aus Braunschweig um die „botanischen“ Gegebenheiten und würde den Baum natürlich auch wie bisher „umbauen“. Trotzdem kann man ja mal über Alternativen diskutieren – auch wenn es derzeit sicher wichtigere Themen gibt.

Gut, dass es die rührige Hoehlsche Buchhandlung gibt: Denn mit der Schließung der ehemaligen Weltbild-Filiale in der Weinstraße – die zuletzt von einem auswärtigen Buchhändler unter dem Namen „LesArt“ geführt wurde – gibt es in der Innenstadt jetzt nur noch zwei Buchläden eben dieses Betriebs.

Zur Erinnerung: Nach dem Umzug der Buchhandlung Oertel vom Neumarkt in die Weinstraße wurde dort auch eine Weltbild-Filiale eröffnet. Die traurige Folge: Oertel machte in Bad Hersfeld dicht, Inhaber Thomas Schröder flüchtete nach Sontra. Jetzt hält nur noch Jürgen Bode von der Hoehlschen die Flagge des stationären Einzelhandels hoch gegen die Online-Konkurrenz von Amazon. Das ist zwar gut so. Doch unter dem Strich hat die Einkaufsstadt Bad Hersfeld verloren.

Ohne Bücher wäre der Sommerurlaub für mich nur halb so schön. Ich wünsche fröhliche Ferien!

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