Als die Grenzschützer einzogen, war die halbe Stadt auf den Beinen

Parade durch die Stadt - Vor 50 Jahren kam der BGS nach Bad Hersfeld

Am 10. Mai 1967 präsentierte der BGS seine Fahrzeuge auf dem Bad Hersfelder Marktplatz. 

BAD HERSFELD. „Bad Hersfeld – wieder Garnison“ titelte die Hersfelder Zeitung in ihrer Ausgabe vom 30. August 1963. Am Tag zuvor war die damalige I./ Grenzschutzgruppe 4 mit einer glanzvollen Parade durch die Innenstadt in ihre neu gebaute Kaserne in der Oberen Kühnbach eingezogen. Neben Bürgermeister Werner Hessemer und Landrat Edwin Zerbe hatten zahlreiche Hersfelder die Grenzschützer schon an der Stadtgrenze willkommen geheißen.

Dicht gedrängt standen die Menschen entlang des Weges, der über die Johannesstraße (damals noch keine Fußgängerzone) und Linggplatz zum Markt führte. Vier zur Abteilung gehörende Hundertschaften und mehr als 100 Fahrzeuge hatte der BGS aus diesem Anlass aufgeboten.

Die ehemalige BGS-Kaserne in der Oberen Kühnbach. Im Vordergrund die Autobahn A 4. Heute steht hier das Amazon-Lager.

Bis Mitte der 70er Jahre gehörten der Hersfelder Abteilung zum Großteil Wehrpflichtige und Widerrufsbeamte an, was für eine große Fluktuation sorgte. Die Veränderung der Sicherheitslage hatte zur Folge, dass die mittlerweile in Grenzschutzabteilung I/4 umbenannte Truppe immer häufiger zur Unterstützung der Länderpolizei herangezogen wurde – wie etwa bei Demonstrationen und zu Schutzeinsätzen am Frankfurter Flughafen (Startbahn West). Aber auch technische Hilfeleistungen, wie etwa beim Dammbruch am Kirchheimer Seepark 1977, gehörten dazu. Mit dem Fall der Mauer kamen auf die Hersfelder Grenzschützer zwar noch einige besonders eindrückliche Einsätze und Erlebnisse hinzu, doch nach der Wiedervereinigung wurde auch der BGS neu strukturiert. Am 1. Januar 1998 wurde die Grenzschutzabteilung Mitte 2 Bad Hersfeld aufgelöst, Ende 1999 verließ der letzte Beamte den Standort. 2004 wurde die Kaserne abgerissen. Vier Jahre später wurde an ihrer Stelle im Auftrag des Internet-Versandhauses Amazon ein riesiges Logistikzentrum errichtet.

Von Karl Schönholtz

Stolz auf die Heimatstadt Peter Stein war vor 50 Jahren dabei

Peter Stein

Als der BGS vor 50 Jahren die Hersfelder Abteilung zusammenstellte, ging für den gebürtigen Hersfelder Peter Stein ein Wunsch in Erfüllung: Der Zugführer wurde vom Standort Hünfeld in seine Heimatstadt versetzt. Und auf die war der heute 76-Jährige mächtig stolz, als er am 29. August 1963 mit seinen Kameraden in die Stadt einzog. „Die Bevölkerung war voll dabei“, erinnert sich Stein an die Parade über den Linggplatz, deren weiterer Weg zur Schlüsselübergabe in die Kaserne vor den Toren der Stadt führte. „Für mich war das wirklich ein besonderer Moment“, sagt Stein auch mit dem Abstand von 50 Jahren über diesen Tag, denn er er sei „mit Leib und Seele beim BGS“ gewesen. Und er war fast bis zum Schluss dabei: Mit 60 Jahren, am 31. Januar 1997, ging Peter Stein in den Ruhestand. Ein Jahr später wurde die Kaserne in Bad Hersfeld geschlossen.

Gedenkfeier am 2. November

An den Einzug des Bundesgrenzschutzes in Bad Hersfeld vor 50 Jahren wird am Samstag, 2. November, auch ganz offiziell erinnert. Gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Fehling soll um 15 Uhr auf dem oberen Rathausplatz am Durchgang zum Kirchplatz eine Bronzetafel angebracht werden. Einem Ehemaligentreffen in der Stadthalle mit Ausstellung und PowerPoint-Präsentation schließt sich ab 19 Uhr ein Wohltätigkeitskonzert mit dem Bundespolizeiorchester Hannover an. Der Erlös ist für die städtische Aktion gegen Armut und Einsamkeit gedacht. Organisiert wird die Gedenkfeier vom ehemaligen Grenzschützer Manfred Kretschmer aus Bad Hersfeld.

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