Keine Lohnsteuerkarten mehr: Auf Neu-Singles können Nachzahlungen zukommen

Pappe zur Kontrolle fehlt

Jährliche Erinnerung bleibt aus: Erstmals kamen im Herbst nicht mehr die gewohnten Lohnsteuerkarten per Post von den Rathäusern. Foto:  dpa

Hersfeld-Rotenburg. Die Pappe hat ausgedient: Seit vergangenem Herbst kommt keine Lohnsteuerkarte mehr per Post, weil das System umgestellt wird (siehe Hintergrund). Dadurch, so sagt ein Mitarbeiter des Steuerzahlerbundes Hessen, „fehlt möglicherweise ein gewisser Erinnerungseffekt“, die eingetragene Steuerklasse auf Aktualität zu überprüfen. Das kann unangenehme Folgen haben: Wenn etwa nach einer Ehescheidung versäumt wurde, die Steuerklasse zu ändern, könnten Geldnachforderungen des Finanzamts drohen.

Anderes hat oft Vorrang

Nach einer frischen Trennung haben oft andere Dinge Vorrang vor solchen bürokratischen Details. Doch hatten die bisherigen Partner zum Beispiel Ehegattensplitting beantragt, muss der Hauptverdiener von der günstigen Steuerklasse 3 in die deutlich höher besteuerte Klasse 1 eingruppiert werden. So verlangt es das Steuerrecht – und neuerdings auch, dass Arbeitnehmer von sich aus beim Finanzamt vorstellig werden, um eine solche Veränderung anzuzeigen.

„Bei uns im Kreis läuft das eigentlich ganz reibungslos“, sagt Frank Drill, der Leiter des Finanzamtes Bad Hersfeld. Dazu trage auch der verbesserte Service des Amtes bei, über den die meisten Bürger gut unterrichtet seien. Das Jahr 2011 sei ein Übergangsjahr, die Lohnsteuerkarte von 2010 gelte weiter – und somit auch die Abzugsmerkmale. „Wenn jemand versäumt Änderungen zu melden, kann es zu Nachzahlungen kommen“, räumt Drill ein. Das gelte nicht nur für Scheidungen, sondern auch für die Geburt von Kindern oder eine neue Berufstätigkeit eines Ehepartners. „Bei uns kommt es aber nur in seltenen Fällen zu Nachzahlungen“, erklärt Drills Stellvertreter Marc Nippert.

Für das Finanzamt maßgeblich ist nicht die rechtsgültige Scheidung, sondern die Angabe „Dauernd getrennt lebend seit ...“ auf der ersten Seite des Steuererklärungsformulars. Die Abgabe einer Steuererklärung ist Pflicht für den Fall, dass sich die Partner einst fürs Ehegattensplitting entschieden hatten.

Fiskus hält die Hand auf

Falls bei der Prüfung dieser Unterlagen nächstes Jahr festgestellt wird, dass ein Arbeitnehmer beispielsweise seit einem Beziehungskrach an Weihnachten 2009 alleine lebt und seither nicht mehr Anspruch auf die günstige Steuerklasse 3 hat, dann hält der Fiskus die Hand auf: Bei einem angenommenen Bruttojahresverdienst von 30 000 Euro stünde sich der Mann steuerlich um etwa 3000 Euro schlechter und müsste diesen Betrag nachzahlen. Es kommt aber immer darauf an, zu welchem Zeitpunkt die Trennung tatsächlich vollzogen wurde. Nur wenn die Partner bereits vor Beginn des Steuerjahres auseinandergegangen waren, hat das Auswirkungen auf die Steuerklasse. Um die bisherige Einstufung vorläufig zu behalten, „genügt es im Prinzip, wenn man an einem Tag dieses Jahres noch zusammengelebt hat“, sagte Thomas Frömel vom Steuerzahlerbund. das sagt, Hintergrund

Von Axel Schwarz und Kai A. Struthoff

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