Imshäuser Gespräch: Spannender Blick in die Zukunft der gedruckten Medien

Papier - eine Riesenlast

Auch in stürmischen Zeiten optimistisch: von rechts Harold Grönke, der Geschäftsführer der HNA, Dr. Thilo von Trott, Horst von Buttlar und Ute Janßen, die Geschäftsführerin der Stiftung Adam von Trott, die das Imshäuser Gespräch moderierte. Foto: Dupont

Imshausen. „Ich hoffe, dass wir Ihnen in zehn bis 15 Jahren keine Zeitung aus Papier mehr zukommen lassen müssen.“ Harold Grönke, der Geschäftsführer der HNA, nahm beim Imshäuser Gespräch zum Thema „Die Zukunft der gedruckten Medien“ am Freitagabend kein Blatt vor den Mund.

Natürlich wird es auch dann eine Zeitung geben, aber sie wird wahrscheinlich zum größten Teil über elektronische Medien verbreitet - im Internet oder über E-Books. „Das Drucken und Verteilen der Zeitungen aus Papier macht 50 Prozent der Kosten aus“, erläuterte Grönke. Damit wäre den Verlagen eine riesige finanzielle Last von den Schultern genommen. Eine wichtige Entwicklung in Zeiten, in denen der demografische Wandel und das Internet den gedruckten Medien das Leben mächtig schwer machen.

Drei Experten

Zu der Veranstaltung hatte die Stiftung Adam von Trott eingeladen. Kooperationspartner der Veranstaltung waren die HNA und die Hersfelder Zeitung. Mit auf dem Podium saßen Dr. Thilo von Trott (Hamburg), der beim Verlag Gruner+Jahr zuständig für den Bereich Public Affairs (öffentliche Angelegenheiten) ist, sowie Horst von Buttlar (Hamburg), der als Journalist für die Financial Times Deutschland arbeitet.

Das Aus für die Zeitung aus Papier ist Zukunftsmusik. In den stürmischen Gewässern, in denen sich die gedruckten Medien zurzeit befinden, hilft das nicht.

Die Menschen berühren

Die HNA hat ihren Weg gefunden, durch die Krise zu kommen: Die vier großen überregionalen Zeitungen haben am Freitag auf Seite 1 mit dem Besuch des Papstes in Großbritannien aufgemacht. „Berühren sie damit die Menschen?“, fragte Harold Grönke. „Nein!“ Die Nachricht sei am Vortag schon durch alle anderen Medien gegangen. Beim Aufmacher der HNA wurde die Frage aufgearbeitet, wie sich die Wirtschaftskrise in unserem Kreis auswirkt.

„Seit gut einem Jahr haben wir das Lokale vorn. Wir bekennen uns damit zu unserer Region. Wir machen das Lokale relevanter. Wir stellen das, was wir am besten können, ins Schaufenster.“

Kritik erwünscht

Parallel dazu wird das Online-Angebot der HNA und der Hersfelder Zeitung immer weiter ausgebaut. Dort können die Leser auch ihre Meinung sagen. Auch Kritik an der eigenen Zeitung ist erlaubt und erwünscht.

In der engagierten Diskussion äußerten die Besucher unter anderem den Wunsch, dass ihre Lokalzeitung noch stärker eine eigene kritische Linie in wichtigen Fragen herausarbeitet. Andere lobten die Berichterstattung als „Ermutigung lokaler Initiativen“.

Zeitung wird es auch in Zukunft geben. Ändern wird sich aber die Form, in der sie angeboten wird. Darin waren sich die drei Experten einig. Dr. Thilo von Trott: „Unsere Generation wird es noch erleben, dass wir Zeitschriften zum Umblättern bekommen - aber ohne Papier. Die Seiten werden aus elektronischen Folien bestehen.“

Von René Dupont

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