Besonderer Advent-Auftakt mit Heinrich Cuipers und Helgo Hahn in der Kantine

„Papa Wolf“ liest Gedichte

Familiäre Atmosphäre und Stars zum Anfassen: Heinrich Cuipers (rechts) und Helgo Hahn stimmten auf die Weihnachtszeit ein.

BAD HERSFELD. Im Kaminzimmer der Festspielkantine knistert das Feuer. Helgo Hahn zaubert mit der „Petersburger Schlittenfahrt“ Winterstimmung aus dem alten Klavier, während Heinrich Cuipers die Kerzen des dreiarmigen Leuchters anzündet. Der Schauspieler ist inzwischen nicht nur bei den Festspielen eine feste Größe, zum Beispiel als Vater Wolf im Dschungelbuch. Am Donnerstag und Freitag las er zum zweiten Mal weihnachtliche Gedichte und Geschichten in der Lullusstadt.

„Wer kennt ein Weihnachtsgedicht?“ Cuipers tritt vor seinen Notenständer und steht neben einem der Gäste, die an dem großen Tisch wie im heimischen Wohnzimmer sitzen und auf die Bescherung und das gemeinsame Essen warten. Statt einer Antwort bekommt er ein verlegenes Lächeln und beginnt, während Hahn „Morgen Kinder wird’s was geben“ spielt, mit dem „Weihnachtslied, chemisch gereinigt“ von Erich Kästner: „Morgen, Kinder, wird’s nichts geben…“. Der Profi beleuchtet mit Gedichten von Theodor Storm, Theodor Fontane, Berthold Brecht, Rainer Maria Rilke und vielen anderen die Adventszeit und das Weihnachtsfest von allen Seiten. Hahn unterstreicht ausgewählte Texte mit passenden Melodien an Klavier oder Akkordeon. Mal nachdenklich, mal witzig, romantisch, traditionell oder modern ziehen die Künstler ihre Zuhörer nach und nach in vorweihnachtliche Stimmung. Plötzlich wünschen sie guten Appetit bei der Vorspeise und gehen. Vorerst.

Nachdem sich die Gäste mit winterlicher Spargelcremesuppe gestärkt haben, beweist auch Hahn schauspielerisches Talent. Mit einer Szene im Buchladen greifen die beiden die Lachmuskeln der Zuhörer an. Cuipers verwandelt sich allein durch seine Stimme vom ängstlichen Kind in einen verliebten Tannenbaum, vom angetrunkenen Oberbayern über einen österreichischen Weihnachtsmuffel bis zu einer schwäbischen Familie samt deren Besucher in „Erna, der Baum nadelt“. In regelmäßigen Abständen unterbricht er das Programm für den Hauptgang (Entenbrust an Mandelbroccoli mit Kartofelpfannküchlein) und die Nachspeise (Bratapfel mit Marzipan und Vanille-Eierlikör-Soße).

Über Gedichte von Christan Morgenstern, Robert Gernhardt und Heinz Erhardt, schlägt Cuipers einen Bogen zurück zu Erich Kästners „Weihnachtsgeschichte“, die Hahn am Klavier mit „Little Drummerboy“ untermalt. Als krönenden Abschluss und Zugabe gibt er Loriots Weihnachtsgeschichte zum Besten. Der aus vielen Fernsehserien bekannte Schauspieler erzählt, dass er seit sieben Jahren regelmäßig und gern nach Bad Hersfeld kommt. Der ein oder andere wird hoffen, dass er auch nächstes Jahr wiederkommt.

Von Dagmar Urban

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