In Beziehung herrscht schon früher Gewalt

Ein Paar wie Hund und Katz

Bad Hersfeld/Fulda. Die Beziehung zwischen dem 37 Jahre alten Angeklagten und seiner fünf Jahre älteren Freundin, die am 14. Dezember 2011 in Bad Hersfeld in einem Blutbad endete, war von Anfang an schwierig. Das berichtete der Angeklagte gestern vor dem Schwurgericht in Fulda.

Das Paar hatte sich 2010 in der Suchtklinik in Bad Hersfeld kennen gelernt. Beide waren in Behandlung wegen Alkohol- und Spielsucht, beide hatten polnisch als Muttersprache. Sie entschieden, nach der Therapie in Bad Hersfeld zusammenzuziehen. Das taten sie im April 2011, nachdem sie im Zellersgrund eine Wohnung gefunden hatten. Doch schon bald nach der Entlassung hätten beide einen Rückfall erlitten, hätten wieder getrunken und gespielt.

„Habe sie nie verprügelt“

Das Paar habe sich häufig gestritten. „Die Beziehung pendelte zwischen Streit und Versöhnung“, sagte Rafael P. Ein Bekannter beschrieb sie als „Hund und Katze“. Der Angeklagte beteuerte, er habe seine Freundin zwar einige Mal geschubst, aber nie verprügelt.

Als ihm das Amtsgericht Bad Hersfeld im Juni 2011 – ein halbes Jahr vor der Tat – verbot, sich seiner Freundin zu nähern, weil die Frau nach ihren Angaben von ihm verprügelt worden war und dem Gericht ein entsprechendes Attest vorgelegt hatte, sei dies nur die „Retourkutsche“ für seine Strafanzeige gegen die Freundin gewesen: Sie habe ihn nämlich zweimal angegriffen und habe ihm gedroht, ihn von Freunden im Milieu umbringen zu lassen. Auch geohrfeigt habe sie ihn.

Schon Wochen vor der Tat habe man gemeinsam beklagt, dass man keinen Ausweg aus Alkohol- und Spielsucht finde. Der Freitod – durch Tabletten, den Zug oder die Pistole – sei als einziger geeigneter Ausweg erschienen.

Haben uns wieder geliebt

Am Tag der Tat war ihrer beider Stimmung nach seiner Schilderung allerdings nicht so düster. „Wir haben uns wieder geliebt“, sagte der Angeklagte. Er hatte sein Gehalt, das er von Amazon bezog, von der Bank geholt, beide hatten Tabletten zur Stimmungsaufhellung zu sich genommen und unter anderem in der Havana-Bar kräftig getrunken.

Im Imbiss „Zum Bratspieß“, in dem das Paar in der Nacht der Tat seine Zechtour beendete, hörten Zeugen allerdings, dass sich die beiden stritten und er ihr drohte, er werde sie „heute Nacht abstechen“. Der Angeklagte beteuerte, das habe er nicht gesagt. Überdies habe man sich, wenn man sich einmal gestritten habe, ausschließlich aus Polnisch gestritten.

Die Tatsache, dass die Polizei später die Wohnzimmertür aufgebrochen vorfand, begründet der Angeklagte damit, dass das Paar die Schlüssel zu dem Zimmer verlegt und die Tür dann „aufgeschubst“ habe.

Von Volker Nies

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