Bad Hersfelder Festspiele: Walter Reynolds spielt den Joe in „Show Boat“

Optimistischer Kämpfer

Walter Reynolds, in Hamburg lebender Amerikaner mit Gardemaß, wird bei den Bad Hersfelder Festspielen den Joe im Musical „Show Boat“ spielen. Foto: Schönholtz

Hamburg/Bad Hersfeld. Der Schauspieler Walter Reynolds ist für das Musical „Show Boat“ in etwa das, was sein Kollege Christian Alexander Müller für die „West Side Story“ ist. Als Letzterer 2009 nach Bad Hersfeld kam, eilte ihm bereits sein Ruf als „Bundes-Tony“ voraus, so oft hatte er die Rolle schon gespielt. Auch Walter Reynolds wird bei seinem Festspiel-Debüt in diesem Sommer bekanntes Terrain betreten: Bereits zum fünften Mal verwandelt sich der in Hamburg lebende US-Amerikaner dann in den Joe und singt mit getragen-sonorer Stimme „Ol’ Man River“.

Nicht irgendein Lied

Das wird dann nicht irgendein Lied sein, sondern der Song, der das aus dem Jahre 1927 stammende Ur-Musical in die Gegenwart transportiert. Denn in „Ol’ Man River“ erzählt Joe von den Schwarzen, die den Kopf immer schön unten halten, keinen Widerspruch wagen und ihre Sorgen im Alkohol ertränken. Rassismus ist hier das ewig aktuelle Thema, das einem wie Reynolds auch im deutschen Alltag begegnet.

Als er vor einiger Zeit bei der Zimmersuche in Hamburg wegen seiner Hautfarbe erfolglos blieb, titelte sogar die BILD-Zeitung „Ich finde keine Wohnung, weil ich schwarz bin“. Da fühlten sich die Hanseaten dann offenbar bei der Ehre gepackt, und auf einmal gab es jede Menge Angebote.

Schattenseiten kennengelernt

Abgesehen von gelegentlichen Schmähungen in seine Richtung („Das ist nur Dummheit!“) blieb Reynolds, der seit 1986 in Deutschland zuhause ist, von schlimmerem Rassismus verschont. Das mag auch mit seinem Gardemaß von 1,93 Metern zu tun haben.

Walter Reynolds ist einer, der auch die Schattenseiten des Lebens kennengelernt hat. Vor 13 Jahren wurde bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert mit der Folge, dass er vorübergehend querschnittsgelähmt war. Nach Operation, sechs Monaten im Krankenhaus und mehreren Wochen Reha-Klinik musste er erst wieder gehen lernen – kein leichtes Unterfangen bei einer Wohnung im fünften Stock in einem Haus ohne Fahrstuhl.

Doch Reynolds erwies sich als Kämpfer, sagt zwar über seine momentane Verfassung „Oben hui, unten pfui“, doch er grinst dabei bis über beide Ohren. Mit einer gehörigen Portion Optimismus engagiert er sich neben seinem Beruf auch in einem sozialen Projekt: Mit Arbeitslosen, Hartz IV-Empfängern und Kranken schreibt er Stücke und erarbeitet ein Hörspiel, das in diesen Tagen seine Uraufführung erlebt.

Von Bad Hersfeld hat Walter Reynolds im Kollegenkreis gehört und erfahren, dass es hier „sehr schön zum Wandern“ sein soll. Während der Proben- und Festspielzeit wird er sich jedenfalls ganz auf Land und Leute einlassen.

Ein alter Bekannter

Schließlich trifft er hier auch auf einen alten Bekannten: Mit Christoph Wohlleben, dem musikalischen Leiter von „Show Boat“ hat er bereits in Bremerhaven zusammengearbeitet.

Von Karl Schönholtz

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