Konzert zum Auschwitz-Gedenktag im Bachhaus mit Steinmacher und Frauenscola

Die Opfer nicht vergessen

Nach dem Gedächtniskonzert dankten die Zuhörer den Musikern im Bach-Haus mit anhaltendem Applaus. Von links: Edle Steinmacher (Viola), Friderike Martens, Edith Harmsen, Simone Pannes, Cecilia Steinmacher (Viola), Charlotte Martens, Gabriella Rönsch und Organist Matthias Steinmacher. Foto:  von Trott

Bad Hersfeld „Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn?“ Unter dem Psalm 137, 4 stand ein Konzert im Johann-Sebastian-Bach-Haus am vergangenen Samstag zum Gedenken an das Leid der Opfer des Faschismus. 67 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vom NS-Terror durch sowjetische Truppen wies Werner Schnitzlein, der Vorsitzende der Landes-Arbeitsgemeinschaft der Christlich-Jüdischen Gesellschaften Hessens, in seiner Einführung auf eine Stern-Umfrage hin, der zufolge jeder fünfte Jugendliche heute nicht mehr die Bedeutung von Auschwitz kennt. Dass in dem Vernichtungslager Auschwitz von Häftlingen Musik von Johann Sebastian Bach gespielt wurde, hat Edith Harmsen, die Leiterin der Fuldaer Frauenschola, besonders erschüttert. Das von ihr geleitete Ensemble Psalterion – mit Simone Pannes (Bochum), Gabriella Rönsch (Fulda) und den Zwillingsschwestern Friderike (Freiburg) und Charlotte (Weimar) Martens – ließ altehrwürdige, gregorianische Gesänge wunderbar rein und verinnerlicht, gemeinsam oder auch solo, in einstimmigem Sopran erklingen: „Super flumen Babylonia“, „Tu es Deus“, „Dicite pusillanimes“ – „Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet Euch nicht! Seht hier ist euer Gott!“.

Und immer wieder erschallte auch feierlich Musik des großen J. S. Bach. Zum Beispiel von der Empore ein Choralvorspiel auf der Tzschöckel-Orgel „An Wasserflüssen Babylon“ dank des Hünfelder Organisten und Musikpädagogen Matthias Steinmacher. Er begleitete auch voller Ruhe seine 18-jährige Tochter Cecilia, die Antonio Vivaldis Sonate d-Moll für Violine und basso continuo Nr.3 auf der Geige erregend spielte. Ihre Schwester Edle Steinmacher folgte mit Bachs 6. Suite auf der Viola – souverän, gelassen, exzellent. Eine schwermütige Klezmer-Tanzmelodie von Charles de Bériot (1833-1914) meisterten die beiden jungen Bratschistinnen zum Schluss hochkonzentriert. Die etwa einhundert Zuhörer dankten allen Musikern zutiefst berührt mit lebhaftem Beifall.

Von Renata v. Trott

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