Haunetaler sagte im Totschlags-Prozess aus

Opfer: „Ich dachte, jetzt sterbe ich“

Fulda/Haunetal. Sichtlich belastet von dem nächtlichen Überfall in seinem Haus berichtete gestern der 61-jährige Nebenkläger vor der Ersten Strafkammer am Landgericht in Fulda: „Ich dachte, jetzt sterbe ich“, sagte der Mann aus Haunetal-Odensachsen.

Tatsächlich war der Mann in der Nacht zum 25. Februar dieses Jahres sehr schwer am Kopf verletzt worden. Ein 33-Jähriger und seine 63-Jährige Ex-Partnerin waren von Bad Hersfeld zum Hof des 61-Jährigen gefahren, um ihn zur Rede zu stellen, weil er obszöne SMS geschickt hatte, so ihre Aussage.

Unstreitig ist, dass es eine brutale Schlägerei gegeben hat, dass der 61-Jährige einen Schädelbruch erlitt – und dass er in dieser Nacht fünf Sex- SMS an die Frau geschickt hatte. Geklärt werden muss in dem Prozess wegen versuchten Totschlags jedoch unter anderem, ob der Angeklagte mit Fäusten zuschlug, einem Holzstock – oder mit einem Radkreuz, wie es der 61-Jährige sagt. Er sei sich ganz sicher, dass der junge Mann mit dem schweren Werkzeug auf seinen Kopf einschlug und ebenso sicher, dass die 63-Jährige dabei wort- und tatenlos zusah.

Während der Nebenkläger von Anfang an ein Radkreuz als Tatwaffe nannte, erinnerte er sich an die SMS, die er in jener Nacht geschickt hatte, erst lange Zeit danach – und seine Schilderungen weichen ab von denen der beiden Angeklagten.

Er seinerseits habe in dieser Nacht zuerst eine obszöne SMS von der 63-Jährigen erhalten, die ihn total schockiert habe, sagte der Nebenkläger. In seiner Wut habe er zurückgeschrieben. „Ich wollte ironisch und verachtend reagieren, ich wollte sie beleidigen“, sagte er.

Wenig glaubwürdig

Diese Darstellung klang wenig glaubwürdig, zumal die SMS des 61-Jährigen keinen Bezug auf die behauptete Kurzmitteilung der Frau nahm. Offen blieb ebenfalls die Frage, weshalb er nachweisbar fünf Nachrichten schrieb, als Antwort auf eine einzige, die ihn so zornig gemacht hatte. Überdies gab es keine logische Erklärung dafür, weshalb die Frau ihn obszön angegangen haben sollte.

Auch Richter Ulrich Jahn äußerte Zweifel, an einer SMS der Frau an den 61-Jährigen – baute ihm aber eine Brücke: „Dass Sie Opfer einer schweren Straftat geworden sind, ist unstreitig, aber für das Gericht ist die Wahrheit wichtig. “ „Nein, Sie hat mir zuerst diese SMS geschrieben“, beharrte er.

Der Prozess unter Vorsitz von Richter Josef Richter wird am Montag um 9 Uhr fortgesetzt.

Von Leoni Rehnert

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