WEISSER RING kritisiert: Es fehlt an Trauma-Ambulanzen

Opfer von Gewalt müssen auf Hilfe warten

Hersfeld-Rotenburg. Für traumatisierte Opfer gibt es im Kreis Hersfeld-Rotenburg wie auch hessenweit viel zu wenige Therapeuten. Das kritisiert die Opferschutzorganisation WEISSER RING zum morgigen Aktionstag der Kriminalitätsopfer.

Gefordert werden Trauma-Ambulanzen in ausreichender Zahl. Denn Opfer von Straftaten leiden nicht nur an körperlichen und finanziellen, sondern meist auch an den seelischen Folgen von Gewalt.

Volker Damm vom WEISSEN RING im Kreis Herfeld-Rotenburg nennt die Zahl von 27 Psychotherapeuten und Psychologischen Therapeuten im Kreis. Von den Krankenkassen seien aber nur 13 zugelassen.

Zu wenige Psychotherapeuten hätten zudem eine Trauma-Ausbildung, erklärte Volker Damm. Opfer bekommen frühestens nach drei Monaten einen Termin. Dabei sei schnelle Hilfe besonders wichtig, weil sich das Krankheitsbild sonst verfestige, die Behandlung noch teurer werde und die Aussicht auf Erfolg schwinde. Unbehandelt leiden traumatisierte Opfer oft ein Leben lang.

Unter Fachleuten ist unstrittig, dass eine psychologische Versorgung nach einer Straftat so schnell wie möglich eingeleitet werden muss. Auch das Interesse von Polizei und Staatsanwaltschaft bezüglich der Aufklärung einer Straftat müsse dem Rechnung tragen. „Zu allererst geht es um das Wohl des Opfers“, mahnt der WEISSE RING.

Behandlungskosten werden zu einem guten Teil von der Allgemeinheit getragen. Grundlage ist das Opferentschädigungsgesetz. Doch fehlende Trauma-Ambulanzen verhindern eine schnelle Hilfe.

Laut jüngster Kriminalstatistik zählte das Polizeipräsidium Osthessen in Fulda im vergangenen Jahr insgesamt 1007 Opfer, davon jedes vierte ein Opfer von Gewaltkriminalität. Darunter befanden sich zehn Kinder und 44 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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