Gewaltschutzgesetz und Runder Tisch helfen bei Arbeit gegen häusliche Gewalt

Opfer bleibt, Täter geht

Sie zeigen häuslicher Gewalt die rote Karte: Else Kranz-Kroker (stellvertretende Frauenbeauftragte), Ute Boersch (Frauenbeauftragte des Kreises Hersfeld-Rotenburg und Geschäftsführung „Runder Tisch gegen häusliche Gewalt“), Manfred Knoch (Pressesprecher Polizei), Rahel von Bucholtz (Verein „Frauen helfen Frauen“), Sabine Koch (Frauennetzwerk), Sabine Schütt-Dörrbeck („Frauen helfen Frauen“), Anette Kranz (Leiterin des Jugendamtes), Elke Künholz (Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin), Dr. Rolf Schwarz (Familienrichter), Gerhard Schuchardt (Weißer Ring) und Joachim Bellof (Kinderschutzbund) (von links). Foto: Zacharias

Hersfeld-Rotenburg. Häusliche Gewalt war jahrzehntelang ein Tabuthema. Auch heute noch wagen sich viele Frauen nicht, Hilfe zu suchen, wenn sie vom Partner geschlagen oder gedemütigt werden. Das gilt vor allem für ländliche Gemeinden, wo das soziale und familiäre Gefüge noch enger und die Sorge davor, private Missstände öffentlich zu machen, noch größer ist.

Das gilt aber auch, so macht Frauenbeauftragte Ute Boersch deutlich, für Männer, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, auch wenn ihre Zahl wesentlich kleiner ist, als die der Frauen. Für sie sei es noch schwieriger, über Gewalt in der Beziehung zu reden.

Um den Betroffenen zu helfen, hat sich schon vor vielen Jahren im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ein Runder Tisch gegen häusliche Gewalt zusammengefunden. Dort treffen sich regelmäßig Vertreter der Organisationen, die mit den Gewaltopfern zu tun haben. „Der Runde Tisch ist etwas Besonderes. Da werden gemeinsame Handlungsschemata entwickelt“, lobte die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz den engen Kontakt zwischen Polizei, Gericht, Frauenhaus, Jugendamt, Frauenbüro und den verschiedenen Beratungsstellen.

Als hilfreich für den Schutz von Gewaltopfern empfinden alle Beteiligen das Gewaltschutzgesetz. Das Gesetz ermöglicht es zum Beispiel, die Täter aus der Wohnung zu weisen und ihnen vorzuschreiben, dass sie Abstand zu ihren Frauen zu halten haben. Das Prinzip „das Opfer bleibt, der Täter muss gehen“ habe sich bewährt, sind sich die Frauenhausmitarbeiterinnen und der Polizist einig. Etwa 60 Gewaltschutzverfahren habe es im vergangenen Jahr beim Amtsgericht Bad Hersfeld gegeben, berichtet Familienrichter Dr. Rolf Schwarz. Der größere Teil habe als Hintergrund häusliche Gewalt.

Traumatisierte Kinder

Hilfe für misshandelte Frauen bietet der Verein Frauen helfen Frauen, der in Bad Hersfeld das Frauenhaus und eine Beratungsstelle betreibt. Beratungen werden zudem einmal wöchentlich in Bebra angeboten. 54 Frauen und 49 Kinder haben im vergangenen Jahr im Frauenhaus Schutz gesucht. 100 Frauen besuchten die Beratungsstellen in Bad Hersfeld und Bebra, 24 Frauen wurden nach einem Hinweis der Polizei von den Mitarbeiterinnen angesprochen, erklärt Sabine Schütt-Dörrbeck. Die Belegung des Frauenhauses sei in den vergangenen Jahren immer ähnlich gewesen.

Wichtig ist den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses nicht nur, den betroffenen Frauen Unterstützung anzubieten, sondern auch die oft traumatisierten Kinder intensiv zu betreuen.

Allgemein bedauert wird von den Fachleuten, die sich mit häuslicher Gewalt beschäftigen, dass es im Landkreis Hersfeld-Rotenburg keine Anlaufstelle für Täter mehr gibt, Darauf weist auch Sabine Koch, eine der Sprecherinnen des Frauennetzwerks hin.

Sie macht zudem darauf aufmerksam, dass Frauen und Kinder auch stark unter psychischer Gewalt leiden. Die sei, ergänzt Sabine Schütt-Dörrbeck, nicht beweisbar, verunsichere die Betroffenen aber stark und nehme ihnen das Selbstwertgefühl.

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Von Christine Zacharias

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