Marionettentheater Schartenhof präsentiert Mozarts Werke im Bach-Haus

Opernstars an feinen Fäden

Oper im Kleinformat: Szene aus der Aufführung „Die Entführung aus dem Serail“ für Kinder, die am 1. und 2. Oktober im Johann-Sebastian Bach-Haus zu sehen sein wird (links). Akteurin Mareile Zürcher auf der Wanderbühne in Bad Hersfeld. Durch zwei Spielstege ist es möglich, die Bühne von mehreren Seiten zu bedienen (rechts). Fotos: Pistor

Bad Hersfeld. Fein gearbeitete und bemalte Miniaturkulissen, Puppen, die die Künstlerin Annemarie Gottfried in Handarbeit fertigte, leichte seidene Marionettenkostüme und eine mobile Bühne – mit diesen Zutaten setzt das Team des Marionettentheaters Schartenhof am Wochenende im Johann-Sebastian-Bach-Haus klassische Opern in Szene.

Das Ensemble wurde 1997 gegründet und erregte durch verschiedene Inszenierungen, wie etwa „Bastien und Bastienne“, schnell Aufmerksamkeit. In diesem Jahr besucht das Theater in Ergänzung der Hersfelder Opernfestspiele die Stadt und führt am 1. und 2. Oktober jeweils von 10 bis 11 Uhr Mozarts „Entführung aus dem Serail“ für Kinder auf sowie am 1. Oktober von 20 bis 22 Uhr „Così fan tutte“ für Erwachsene.

Das Schartenhof-Ensemble spielt grundsätzlich nur Opern und Operetten, eine seltene Richtung für Marionettentheater. Insgesamt agieren sechs bis acht Personen gemeinsam mit jeweils einer von 120 Filzfiguren, die 70 Zentimeter groß sind und an feinen Fäden über die Bühne geleitet werden. Diese wurde aus Leichtmetall nach dem Vorbild der Hauptbühne im Schartenhof gefertigt und hat den Vorteil, dass eine Drehscheibe in der Bühnenmitte lebendige Szenenwechsel ohne den Einsatz eines Vorhangs ermöglicht. „So gewinnt man Zeit, allerdings müssen die Puppenspieler angestrengter arbeiten und geschickt aneinander vorbeiwechseln, ohne dass die Figuren schweben oder einknicken“, erklärt Mareile Zürcher.

Die Spieler sind meist Studenten oder in der Musikbranche tätig, es handele sich nicht um ein Berufsensemble, betont Zürcher. Jeder Darsteller lernt die Texte der Operngesänge, obgleich sie von einer CD abgespielt werden, damit sie ihre Einsätze nicht verpassen. Man arbeitet sehr konzentriert für etwa ein dreiviertel Jahr an jeder Inszenierung.

„Als ich das Marionettentheater das erste Mal sah, war ich begeistert von der aufwändigen Übung und dem Teamgeist der Akteure“, bekennt Siegfried Heinrich, der künstlerische Leiter des Arbeitskreises für Musik, der die Gruppe eingeladen hat.

Räume gut geeignet

„Die Räumlichkeiten des Johann-Sebastian-Bach-Hauses eignen sich sehr gut für unsere Aufführungen, nur leider ist die Bühne etwas niedrig“, bemerkt Heinz Zürcher. So liegt der Vorhang recht tief, am Ende jeder Vorstellung wird er allerdings gelüftet, um das Geheimis hinter dem Puppenspiel zu offenbaren, ohne ihm den Zauber zu nehmen.

Karten gibt es beim Arbeitskreis für Musik unter den Telefonnummern 06621/506713 und 506718. Die Kindervorstellung kostet fünf, die Erwachsenenvorstellung fünfzehn Euro.

Von Christina Pistor

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