Arbeitskreis für Musik (AfM) meldet sich mit Pressemitteilung zu Wort

"Opernfestspiele fallen Wedels Alleinvertretungsanspruch zum Opfer"

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Vater der Oper in der Stiftsruine: Prof. Siegfried Heinrich.

Bad Hersfeld. Zur aktuellen Situation rund um die Opernfestspiele äußert sich nun auch der Arbeitskreis für Musik (AfM) mit einer Pressemitteilung.

Diese lautet wie folgt:

Der Arbeitskreis für Musik produziert seit Jahrzehnten als gemeinnütziger Verein die Bad Hersfelder Opernfestspiele. Er hat über diese Zeitspanne ein dichtes Netz internationaler Verbindungen, insbesondere zu Künstlern in Osteuropa, geknüpft und kann auf die engagierte ehrenamtliche Mitarbeit von rund zweihundert Mitgliedern bauen. Mit den Bad Hersfelder, Frankfurter und Marburger Festspielchören erstreckt sich sein Wirken über ganz Hessen und über das gesamte Jahr.

Diese Arbeit, die ihren Höhepunkt in den alljährlichen Bad Hersfelder Opernfestspielen findet, ist international anerkannt und für Tausende Opernbesucher einer der Höhepunkte des Bad Hersfelder Festspielsommers. Jetzt wird dem AfM die Möglichkeit genommen, die Bad Hersfelder Opernfestspiele als Basis seiner Arbeit in Zukunft weiter zu führen. Denn inzwischen hat sich auch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst die von dem derzeitigen Festspielintendanten und der Stadt angestrebte Lösung zu eigen gemacht, zukünftige Opernaufführungen unter der selbständigen künstlerischen Verantwortung des AfM nicht mehr zuzulassen.

Minister Boris Rhein hat in einem Brief an den AfM Bedingungen gesetzt, die dem AfM eine Weiterarbeit unmöglich machen. So solle nur noch eine Oper pro Festspielsaison aufgeführt werden, bei der in allen Dingen, organisatorischen wie künstlerischen, das letztendliche Entscheidungsrecht dem Schauspielintendanten eingeräumt wird. Das Land plant nach Auskunft des Ministers zudem, die Opern-Fördergelder zukünftig allein dem Festspieletat der Stadt zur Verfügung zu stellen. Damit trocknet das Land Hessen die gesamte bisherige Arbeit des Arbeitskreises für Musik, die zu großen Teilen auf ehrenamtlicher Arbeit und diesen unbedingt benötigten Fördergeldern basiert, finanziell aus.

Die Konsequenzen sind dramatisch: der AfM wird gezwungen, den über das Jahr beschäftigten hauptamtlichen Mitarbeitern bereits zum Ende der diesjährigen Festspielsaison zu kündigen und hoch qualifizierte Kräfte in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Denn in dem Brief des Ministers ist weder eine Weiterbeschäftigung noch eine Übernahme durch die Festspielverwaltung vorgesehen. Auch eine Kostenbeteiligung an den Häusern des AfM, die bisher teils als Probenhäuser der Festspiele dienten, ist offenkundig nicht mehr geplant. Das Johann-Sebastian-Bach-Haus findet als Aufführungsort keine Erwähnung, weder für die Kammerkonzerte der Festspielsaison noch für die Konzerte außerhalb dieser Zeit. Dabei ist klar, dass sich ein solches Haus nicht allein aus Ticketverkäufen finanzieren kann. Bad Hersfeld droht damit ein wichtiger Teil des musikalischen Kulturangebotes verloren zu gehen.

Unter diesen Bedingungen hat die Mitgliederversammlung des AfM einer Fortführung der über Jahrzehnte gewachsenen und erfolgreichen Opernarbeit nicht zugestimmt. Ebenso haben sich die Opernchöre der Bad Hersfelder Opernfestspiele in Bad Hersfeld, Frankfurt und Marburg gegen eine Zusammenarbeit unter den von dem derzeitigen Intendanten geforderten Bedingungen ausgesprochen.

Wie unannehmbar diese sind, zeigt sich auch darin, dass der AfM in dem Ministerbrief aufgefordert wird, einen "künstlerischen Leiter" und einen "Chordirektor" vorzustellen, der unter dem Festspielintendanten über das Jahr ohne Vergütung ehrenamtlich tätig werden solle. Eine "Beratertätigkeit" des Künstlerischen Leiters der Bad Hersfelder Opernfestspiele, Professor Siegfried Heinrich, ist weder zeitlich noch inhaltlich fixiert.

Auch unter diesem Aspekt sieht der AfM keine Möglichkeit einer zukünftigen Zusammenarbeit, so dass die diesjährigen Opernfestspiele auf absehbare Zeit die letzten sein werden. Das Publikum allerdings hält der Oper unter dem Eindruck des sich mit dieser Spielzeit abzeichnenden Endes in beeindruckender Weise die Treue: Der Vorverkauf für "Fidelio" und den "Bettelstudent" mit Gunter Emmerich läuft so gut wie seit Jahren nicht.

Der AfM bittet alle Landtagsabgeordnete auf die Landesregierung und alle Stadtverordnete auf den Magistrat, Einfluss zu nehmen, damit auch 2016 unter der künstlerischen und wirtschaftlichen Leitung des AfM in der Stiftsruine in Bad Hersfeld zwei eigene Opernproduktionen und klassische Konzerte aufgeführt werden können. Es wäre auch hilfreich, wenn viele Bürgerinnen und Bürger unser Anliegen unterstützten.

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