Tenor Florian Voss verkörpert Belmonte in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“

Opernbühne statt Flieger

Singen als Lebensaufgabe: Florian Voss reizt es besonders, seine Freude am Gesang mit den Menschen zu teilen. Foto: Teufel

Bad Hersfeld. „Belmonte ist ein sensibler, feinfühliger und impulsiver Mensch“, erklärt Sänger Florian Voss seine Rolle in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ bei der Oper in Bad Hersfeld. In sich selbst sieht der 29-Jährige aus Bremerhaven auch ein Stück von Belmonte. Trotz der Ähnlichkeiten fordert ihn die Rolle auch heraus, denn als Belmonte singt Voss drei Arien, die in ihrer Natur vollkommen unterschiedlich sind.

Voss geht an seine Arbeit mit großer Offenheit heran und sieht darin auch ein Geheimnis des Singens. Der Tenor stellt gerne viele Fragen und versucht so seinen Gesang und seine Rollen besser zu reflektieren. Besonders von Gunther Emmerlich, so Voss, habe er in den letzten Wochen viel gelernt.

Technisch bereitet der junge Tenor sich mit Hilfe einer Logopädin vom Uniklinikum Frankfurt am Main auf Proben vor. Da wird dann zwei Stunden vor der Probe gerne mal der Laptop ausgepackt und über die Webcam eine „Online-Logopädie-Sitzung“ gehalten.

Sein Weg zum klassischen Gesang und auf die Bühne war hingegen etwas weniger direkt. In seiner Heimat nahm der gebürtige Bremerhavener als Jugendlicher an der Jugendarbeit der Kirche teil. Dort habe ihm eine junge, engagierte Pastorin gesagt, er könne singen. Von da an begann Voss sich mit seiner Stimme auseinanderzusetzen. Seinem Mitwirken als Statist im Stadttheater in Bremerhaven, folgte eine Ausbildung als Jungstudent an der Hochschule für Künste in Bremen, die er jedoch vor dem Vordiplom beendete um zunächst eine Ausbildung bei der Hamburger Sparkasse zu machen. Nach der Investment-Branche arbeitete Voss einige Zeit lang als Flugbegleiter bei der Lufthansa.

Singender Flugbegleiter

Eine weitere Station auf dem Weg hin zum Sängerberuf war Voss’ Teilnahme bei der Castingshow X Factor. Gemeinsam mit einer Partnerin war er dort als „singender Flugbegleiter“ sogar sehr erfolgreich, brach aber ab. Er entschied sich für die Klassik. Es falle ihm leicht klassische Musik zu singen und die Stücke zu verinnerlichen.

In Bad Hersfeld fühlt Voss sich wohl. Besonders die Zusammenarbeit mit Regisseur Hugo Wieg bezeichnet er als sehr vertrauensvoll. Über Wieg habe er auch seinen Weg zu Mozart gefunden. „Ich habe das Gefühl, Mozart spricht zu mir“, erzählt Voss. Gerne würde er auch nach Bad Hersfeld zurückkehren, da er hier so viel gelernt habe. Die Bad Hersfelder Inszenierung der Mozart-Oper bezeichnet Voss als „frisch, neu und sehr genau musiziert“. Sie habe hohes Niveau, das sei es, was für ihn persönlich auch die Freude daran ausmache.

In der „Entführung aus dem Serail“ hofft Florian Voss, dem Publikum ein differenziertes Bild der Rolle des Belmonte vermitteln zu können.

Von Sabrina Ilona Teufel

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