Fotografen der Kultmarke Leica kamen zum Erfahrungsaustausch nach Bad Hersfeld

Operation am Objektiv

Kultkamera in Einzelteilen: Nahezu zerlegt hatte Claus Reinhardt eine alte Schraubleica beim Forum in Bad Hersfeld. Der erfahrene Fotomechaniker aus Hannover zeigte den Teilnehmern, wie auch ein 60 Jahre alter Apparat durch professionelle Reparatur wieder funktionsfähig gemacht werden kann. Foto: roda

Bad Hersfeld. Leica-Fotografen aus Deutschland und den Nachbarländern trafen sich zum Erfahrungsaustausch in Bad Hersfeld. Organisiert wurde die Zusammenkunft vom hier wohnenden Fernsehjournalisten Friedhelm Fett, der selbst lange Jahre beruflich mit verschiedenen Modellen des wohl bekanntesten Fotoapparats an Orten des Weltgeschehens fotografierte. Außerdem besitzt er eine Sammlung von Raritäten aus mehreren Epochen der mechanischen Fotogeräte.

Im Mittelpunkt des Treffens stand natürlich die Leica, jenes legendäre Wunderwerk der Fototechnik, das der geniale Konstrukteur Oscar Barnack zwar bereits vor dem 1. Weltkrieg erfand, das vom Wetzlarer Mikroskophersteller Leitz aus wirtschaftlichen Gründen aber erst 1925 funktionsfähig auf den Markt gebracht wurde.

Lebendiger als andere

„Schon bald nach ihrem Erscheinen veränderte die Leica wegen ihrer handlichen Größe und einfachen Bedienung die Reportagefotografie. Leica-Bilder jener Zeit zeigen eine wesentlich lebendigere Darstellung der Szenen als sie mit den bis dahin üblichen Plattenkameras möglich war“, erkannte Friedhelm Fett bei Bildvergleichen den Unterschied.

Fortan wurde die Leica zum beliebten Handwerkszeug vieler Berufsfotografen und später auch zum begehrten Objekt der Sammler. Hinzu komme: „Keine andere Kamera bietet einen solchen Werterhalt wie die klassische Leica.“ Zum Beweis nimmt Friedhelm Fett ein kleines Teleobjektiv, Baujahr 1930, und montiert es an eine digitale Leica Baujahr 2011.

Die Bildergebnisse des Objektiv-Methusalems können sich heute noch absolut sehen lassen. Dass die klassische Leica in ihrer aktuellen digitalen Version um die 5000 Euro kostet, noch ohne Objektiv wohlgemerkt, erscheint dann gar nicht mehr so abgehoben.

Und noch eins macht die klassische Leica einzigartig: Selbst uralte Exemplare können noch repariert werden. Vom Werkskundendienst in Solms bei Wetzlar oder von einer Handvoll Spezialisten weltweit, von denen sich einer beim Bad Hersfelder Treffen über die Schulter schauen ließ.

Fast atemlose Stille herrschte in dem Nebenraum des Stadthotels, als Fotomechaniker Claus Reinhardt aus Hannover mit eher Chirurgenbesteck gleichenden Werkzeugen das Gehäuse einer Schraub-Leica aus dem Jahr 1950 total demontierte. Die Blicke der um ihn versammelten Leica-Liebhaber verfolgten aufmerksam jede Handbewegung. Wichtig sei es, die Einzelteile in bestimmter Reihenfolge auf dem Arbeitsplatz abzulegen, erklärte der versierte Fachmann mit ruhiger Stimme.

Hier und da ein Tropfen

Kaum eine halbe Stunde dauerte es, da lagen Gehäuse, Verschluss, Zahnräder sowie unzählige winzige Schrauben übersichtlich vor ihm auf dem Tisch. Anschließend wurden die durch häufigen Gebrauch abgenutzten Verschlussrollos der jetzt 60 Jahre alten aber noch funktionsfähigen Kamera erneuert. Auch hier und da ein Tropfen Spezialöl garantiere wieder die einwandfreie Funktion.

Obwohl der Leica-Doktor mit sicherer, mühelos erscheinender Routine arbeitete, war für die Seminarteilnehmer bald klar: Von irgendwelchen eigenen Reparatur-versuchen an ihren Liebhaberobjekten sollten sie besser die Finger lassen und bei technischen Defekten ihre Schätze lieber gleich einem Experten wie Claus Reinhardt anvertrauen.

Doch jenseits von Leica, von optimaler Bildqualität, technischen Erkennungsmerkmalen früherer Modelle und Bezugsquellen noch fehlender Zusatzgeräte bot Friedhelm Fett seinen Gästen auch ein umfangreiches Besichtigungs- und Kulturprogramm, das den Besuchern einen nachhaltigen und ausgesprochen positiv aufgenommenen Eindruck von Bad Hersfeld und Umgebung vermittelte. Schon jetzt steht fest, dass Bad Hersfeld nicht zum letzten Mal Treffpunkt der Leicafreaks war.

Von H.-H. Hartmann

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