Gunther Emmerlich wirkt in dieser Spielzeit auf und hinter der Bühne in der Ruine mit

Der Oper treu geblieben

Arbeitet gern mit jungen, wissbegierigen Kollegen und einem jungen Publikum: Sänger, Moderator und Schauspieler Gunther Emmerlich gibt in „Die Entführung aus dem Serail“ den Bassa Selim. Foto: Teufel

Bad Hersfeld. Als vielseitiger Entertainer ist er bekannt. Sein Auftreten ist charismatisch und sicherlich imposant. All das kommt Gunther Emmerlich bei seinem Engagement in der diesjährigen Spielzeit der Oper in Bad Hersfeld zugute. In einer Sprechrolle verkörpert er den Bassa Selim in „Die Entführung aus dem Serail“.

Eigentlich galt der Osmin in selbiger Oper immer als seine Paraderolle. „Ich habe den Osmin fast 300 Mal gesungen, nun wollte ich auch gerne mal ein paar gescheite Sätze sagen, die der Bassa Selim sagt“, erzählt Emmerlich scherzhaft. Doch diese Sprechrolle bedeute nicht, dass er nicht wieder singen werde. Schließlich sei er der klassischen Musik und dem Gesang immer treu geblieben. Für die kommende Spielzeit habe er bereits Opernangebote, die er gerne wahrnehmen wolle.

Klassischen Gesang studiert

Gunther Emmerlich hat klassischen Gesang studiert, war 20 Jahre lang festes Ensemblemitglied der Semperoper in Dresden. Aber auch als Moderator war er tätig und feierte so bundesweit große Erfolge und wurde zu einer der Größen im deutschen Showgeschäft.

In Bad Hersfeld hat Gunther Emmerlich nun noch eine weitere Rolle eingenommen. Gemeinsam mit Regisseur Hugo Wieg, einem langjährigen Freund Emmerlichs, hat er eine gekürzte und kindgerechte Fassung von „Die Entführung aus dem Serail“ erarbeitet.

Respekt für junges Publikum

Wert legten die beiden Männer darauf, dass die Fassung dabei hilft, Kinder an dieses Stück und die Kunstform der Oper generell heranzuführen. „So eine Fassung muss kurzweilig sein und den Kindern, über die Musik hinaus, etwas geben. Kinder sind gnadenlos und das ist gnadenlos gut“, sagt Emmerlich mit Blick auf sein junges Publikum. Bei den Kindervorstellungen werden die Geschichte und das Prinzip der Oper und speziell der Mozartoper gezeigt. Die jungen Besucher sollen in die musikalischen Mittel Mozarts eingeführt werden. Sein Arbeiten wird, mit Hilfe des Ensembles, für die jungen Zuschauer gewissermaßen demaskiert.

Auch was die Oper für ein erwachsenes Publikum angeht, hat Emmerlich genaue Vorstellungen. Für ihn machen ein gewisses Maß an Werktreue, bestenfalls grenzenloser Einfallsreichtum, aber trotzdem Nähe zum Publikum gute Operninszenierungen aus. Mit Blick auf Inszenierungen wie die skandalträchtige Fassung von Wagners „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth, appelliert Gunther Emmerlich an sinnvolle und respektvolle Arbeit mit klassischen Werken. Bei Operninszenierungen geht es dem gebürtigen Thüringer nicht um das zur Schaustellen der Regisseure und abstrakter Ideen. Das Publikum dürfe nicht unterschätzt oder oberlehrerhaft belehrt werden. Wenn man es gut anstelle, könne man mit der Oper alle Generationen erreichen.

Der Sänger ist nicht zum ersten Mal in Bad Hersfeld. Bereits vor Jahren habe er Opernvorstellungen hier besucht, erzählt er. Im letzten Jahr besuchte er „Rigoletto“, unter Hugo Wiegs Regie.

Sprechende Mauern

Auch die Stiftsruine als Bauwerk reizt Emmerlich, der privat ein geschichtlich interessierter Mensch ist, sehr. Sowohl baugeschichtlich als auch historisch findet er den romanischen Bau, in dem schon Luther predigte, reizvoll. „An so einem Ort zu stehen und Theater zu spielen ist toll“, schwärmt er. „Wenn die Mauern sprechen dürften, dann würde ich auch gerne mal schweigen.“

Die Reibungen um die Festspiele und die Oper bekomme er hingegen nur am Rande mit und wolle sich daher auch keine Meinung erlauben. Eines sei für ihn jedoch klar: Es sollte eine Entscheidung geben, bei der die Kunst nicht auf der Strecke bleibt. Dieser Konflikt dürfe keinen parteipolitischen Fokus annehmen, die Kunst müsse im Vordergrund bleiben.

Von Sabrina Ilona Teufel

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