Die Festspiel-Schauspieler und Musiker nehmen den Freytag-Rauswurf auch persönlich

„Ohrfeige fürs Ensemble“

Sie halten das Ensemble hoch und stehen fest zu ihrem Intendanten Holk Freytag: Konzertmeister Takaschi Bernhöft (links) und Schauspieler Markus Gertken. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Takashi Bernhöft, der Konzertmeister der Bad Hersfelder Festspiele, hat schon einige Intendanten kommen und gehen sehen. Der renommierte Musiker, der schon mit Leonard Bernstein und Lorin Maazel gearbeitet hat, kennt den ständigen Konflikt zwischen Kunst und Politik nur zu gut. „Aber die Art und Weise, wie die Auseinandersetzung in Bad Hersfeld geführt wird, macht betroffen.“

Auch Hersfeld-Preisträger Markus Gertken empfindet den Umgang mit Holk Freytag als eine „Ohrfeige mitten ins Gesicht“ für das ganze Ensemble. Er beklagt den mangelnden Respekt für die künstlerische Leistung, die gerade in diesem Jahr besonders groß ist.

„Uns ist nicht gleichgültig, was hier passiert, wir wollen auch, dass die Ruine jeden Abend voll ist“. Natürlich habe er auch Verständnis für die Haushaltslage der Stadt, doch er wehrt sich gegen den unterschwelligen Vorwurf, die Schauspieler würden überbezahlt. „Ich verdiene heute sogar weniger als seinerzeit bei Intendantin Elke Hesse.“

Auch Konzertmeister Bernhöft stellt klar, dass kein Künstler wegen des Geldes nach Bad Hersfeld kommt. „Ich könnte jetzt auch in Bayreuth spielen“, sagt er selbstbewusst. Es sei aber die besondere Atmosphäre der Bad Hersfelder Festspiele, die ihn jedes Jahr zum Wiederkommen bewegt. Doch die sei nach dem Freytag-Rauswurf massiv in Gefahr.

„Bad Hersfeld ist das Boot-Camp für Schauspieler“, sagt Markus Gertken schmunzelnd. Proben bis spät in die Nacht, oftmals mehrere Aufführungen an einem Tag, bei Wind und Wetter auf der Bühne – „da muss man Bock drauf haben“, sagt er und lässt dabei keinen Zweifel daran, wie sehr er eben diesen Spielort liebt.

Das ganze Ensemble, sowohl die Musiker als auch die Schauspieler, sei durch den Entlassungs-Eklat fest zusammengewachsen. „Dieser Zusammenhalt ist einzigartig“, meint Bernhöft auch im Vergleich zu anderen Spielorten. Dieser Zusammenhalt – gerade auch bei widrigen Umständen – sei das Verdienst von Holk Freytags menschlicher und künstlerischer Kompetenz. „Ein Intendant ist enorm wichtig für erfolgreiche Festspiele“, weiß Bernhöft.

Beide Künstler blicken daher mit Sorge auf die Spielzeit 2015. Sie hoffen, dass sich der Magistrat besinnt und die Kündigung zurücknimmt. Sonst werde es eng für 2015. „Aber Wunder gibt es ja immer wieder“, meint Gertken.

Von Kai A. Struthoff

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