Wochenendporträt: Maha Hussein hilft Flüchtlingen bei Behördengängen und Co.

„Ohne Sprache stumm“

Hat Angst um ihre Familie in Syrien: Maha Hussein kam 2001 nach Deutschland. Im Dezember vergangenen Jahres bekam sie den Merci-Preis für Integration. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Noch einmal ganz neu anfangen mussten Maha Hussein und ihr Mann, als sie von Syrien nach Deutschland kamen. In ihrem Heimatland hatte Husseins Mann als Arzt eine eigene Praxis. In Berlin stand er als Flüchtling vor dem Nichts.

Zwei Jahre nach ihrem Mann kam Maha Hussein 2001 nach Deutschland; die über das Aufenthaltsgesetz geregelte Familienzusammenführung machte es möglich. Ihr ältester Sohn war damals drei Jahre alt. Tochter Liloz (12) und Sohn Zamend (8) wurden in Deutschland geboren. „Eigentlich hatte ich gedacht, schon nach wenigen Monaten wieder mit meinem Mann zusammen sein zu können, aber das hat nicht geklappt“, erinnert sich die heute 38-Jährige. Sie und ihr Mann sind Kurden. Deutsch hat Hussein erst in einem Sprachkurs gelernt. Wenn sie einen Behörden- oder Arzttermin hatte, habe sie sich die wichtigsten Wörter anfangs vorsorglich auf einem Zettel notiert.

Merci-Preis fürs Ehrenamt

Heute hilft sie anderen Flüchtlingen, insbesondere aus Syrien, mit Übersetzungen, bei Terminen oder ganz einfach im Alltag. „Ich freue mich, wenn ich jemandem helfen kann“, erklärt Hussein. Im Dezember wurde sie für ihr Engagement mit dem Merci-Ehrenamtspreis in der Kategorie Integration ausgezeichnet.

Dafür vorgeschlagen hatte sie ihre in der Nachbarschaft lebende Freundin Aysegül Tas-Dogan, die türkische Kurdin ist. Kennengelernt haben sich die beiden Frauen, die gerne gemeinsam kochen und backen, über ihre Männer. Der Kontakt zu hilfebedürftigen Migranten kommt meist über Freunde oder Bekannte zustande, Hussein hält aber auch selbst die Augen auf. „Wenn ich sehe, dass jemand meine Hilfe braucht, biete ich sie an.“ Das Hauptproblem sei bei allen die Sprache. „Ohne Sprachkenntnisse ist man stumm“, verdeutlicht Hussein. In Bad Hersfeld lebt die Familie seit 2011. Husseins Mann arbeitet inzwischen in Eisenach im Krankenhaus. „Anfangs war es sehr schwer, aber inzwischen habe ich mich eingewöhnt“, sagt Maha Hussein über ihr neues Leben in Deutschland. Aber: Heimat bleibt Heimat.

Immerhin lebt auch der Großteil ihrer Familie noch in Syrien. Die derzeitige Situation dort beschreibt Hussein als Katastrophe. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ verbreitet Angst und Schrecken. „Ich habe große Angst um meine Familie“, sagt Hussein mit Tränen in den Augen. „Die Menschen haben kein Leben mehr dort, und sie wissen nicht wie es weitergeht.“ Erschrocken und besorgt ist die 38-jährige Muslimin auch angesichts der aktuellen Greueltaten von Islamisten in Paris. „Die Religion ist doch egal, Mensch bleibt Mensch.“

Den Kontakt zu ihrer Familie hält Hussein per Telefon oder Internet. Über die Geschehnisse in Syrien informiert sie sich täglich auch über die Medien. Hussein selbst war 2011 das letzte Mal in der Heimat.

Wenn die 38-Jährige sich nicht um Flüchtlinge, ihre Familie oder den Haushalt kümmert, hilft sie in der Ernst-von-Harnack-Grundschule bei der Essensausgabe. „Es ist schön, mit Kindern zu arbeiten“, freut sich Hussein über ihre Aufgabe dort. Der nächste Einsatz als Übersetzerin lässt aber sicher auch nicht lange auf sich warten.

Von Nadine Maaz

Kommentare