Orthopäde Dr. Markus Mende im Interview über Gelenkbeschwerden und Laufschuhe

Ohne Schmerz beim Lollslauf

Bad Hersfeld. Der Lollslauf, einer der Höhepunkte im heimischen Sportjahr, steht bevor. Das merkt man auch rund um die Kreisstadt: Immer mehr Läufer sind unterwegs auf den Strecken, vor allem auf der bekannten Wisbi-Runde. Und seit mehreren Wochenenden starten Sonntagsvormittags die Vorbereitungsläufe am Marktplatz in Bad Hersfeld.

Doch welche Gefahren birgt das Laufen womöglich für Muskeln und Gelenke? Wir sprachen mit Dr. Markus Mende, Orthopäde in Bad Hersfeld und selbst begeisterter Läufer.

Dr. Markus Mende. Foto: nh

Herr Dr. Mende, dass Laufen generell gesund ist, steht ja wohl außer Frage. Aber welche gesundheitlichen Risiken bestehen denn trotzdem, zum Beispiel für meine Gelenke, wenn ich – sagen wir mal – fünfmal in der Woche trainiere?

Mende: Fünfmal in der Woche – das ist schon sehr ambitioniert. Als Erstes muss ich wissen, ob mein Herz-Kreislaufsystem gut in Form oder zumindest trainierbar ist. Das ist lebenswichtig. Dass es den Gelenken gut geht, das ist „nur“ fürs Wohlbefinden wichtig. Gegen intensives Laufen spräche auch, wenn man etwa X- oder O-Beine oder bereits fortgeschrittene Schäden an den Gelenken der unteren Extremitäten hat. So etwas wird durch Belastung schlimmer, da bietet sich eher Radfahren als Ausdauersport an. Auch starkes Übergewicht sollte zunächst reduziert werden.

Und andere Beschwerden?

Mende: Schmerzen in der Wadenmuskulatur, in der Ferse, in der Kniescheibe – das sind ganz typische Beschwerden, die entstehen, wenn die Belastung zu groß wird. Ich muss dann modifiziert trainieren – zum Beispiel keine Berg- oder Tempoläufe. Auch Physiotherapie kann helfen, eventuell auch individuell angefertigte orthopädische Einlagen, die ich mir verschreiben lassen kann. Ein spezieller Laufschuh allein löst ein solches Problem meist nicht. Laufschuhe sind und bleiben Produkte von der Stange, auch wenn die Hersteller uns etwas anderes glauben machen wollen.

Stichwort Laufschuh: Nach wie vielen Kilometern gehört ein Laufschuh denn aussortiert?

Mende: Das kann man natürlich pauschal nicht sagen. Je schwerer der Läufer ist, desto desto mehr wird der Schuh logischerweise beansprucht. Eine abgelaufene Sohle ist nicht das Problem – eher die nachlassende Dämpfung. Laufe ich zum Beispiel häufig über steinigen, unebenen Untergrund, wird sie besonders beansprucht. Ganz grob kann man sagen, dass ein Laufschuh nach 600 Kilometern schon durchgelaufen sein kann.

Es heißt ja auch, dass es für die Gelenke besser ist, auf weichem Waldboden zu laufen als auf Asphalt ...

Mende: Auch das kann man nicht verallgemeinern. Natürlich denkt man, Waldboden ist weich, da schwebt man förmlich drüber. Aber die Unebenheiten können, besonders wenn schon eine gewisse Ermüdung eingetreten ist, zu plötzlichen Belastungsspitzen am Gelenkknorpel, aber auch an Sehnen und Bändern führen. Aber selbstverständlich ist Asphalt mit eher hartem Impuls beim Auftreten verbunden. Wie so oft ist es eine Frage der Dosis – bei behutsamer Steigerung der Laufintensität kann der Körper sich an die Belastung gewöhnen.

Nehmen wir an, ich habe im Training, womöglich kurz vor einem Wettkampf, plötzlich Beschwerden oder Schmerzen im Gelenk – was muss ich tun? Kann ich es riskieren, weiter zu laufen?

Mende: Es zwickt natürlich immer mal irgendwo, das ist normal. Wenn äußerlich nichts zu sehen oder tasten ist, kann man nach kurzer Pause wieder einen Versuch machen. Aber eine Faustregel ist: Wenn ein Gelenk sichtbar anschwillt oder Schmerzen an Muskeln oder Sehnen auch bei alltäglicher, das heißt nicht nur sportlicher Belastung anhalten, heißt es Pause machen und fachlichen Rat einholen.

Von Rainer Henkel

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