Fuldaer Schwurgericht verhängt im Obdachlosen-Prozess langjährige Haftstrafen

Ohne Gnade und Mitleid

Urteil im Obdachlosen-Prozess: Angeklagter Andrea B. mit Verteidigerin Daniela Morbach und der Angeklagte Pierre S. mit seinem Verteidiger Jochen Kreissl (von links). Foto: Eisenberg/Archiv

Fulda/Bad Hersfeld. Wegen gemeinschaftlichen Mordes an einem Obdachlosen im Bad Hersfelder Bahnhof hat das Landgericht Fulda den 22 Jahre alten Haupttäter Pierre S. zu 14 Jahren Haft und den 24 Jahre alte Mittäter Andrea B. zu elf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

Die Schwurgerichtskammer sprach von einem „gnadenlosen und menschenverachtenden Vorgehen“ der beiden Täter. Der Vorsitzende Richter Josef Richter sagte, die Angeklagten hätten den 47 Jahre alten, friedlich in der warmen Bahnhofshalle schlafenden Obdachlosen Karsten F. in der Nacht vom 11. auf den 12. Februar aus „Lust am Streit und an der Freude am Ausleben körperlicher Gewalt“ attackiert. Zunächst hätten sie vermutlich nicht die Absicht gehabt, den Obdachlosen zu töten.

Doch während der Tat sei die Gewalt eskaliert. Auch als ihr Opfer reglos und schwer blutend am Boden lag „und das Blut regelrecht durch die Bahnhofshalle gespritzt ist“, wie Richter Richter sagte, hätten sie weiter auf Karsten F, eingeschlagen und eingetreten und hätten den Tod ihres Opfers billigend in kauf genommen. „Die Täter zeigten eine Gnadenlosigkeit und Mitleidlosigkeit, wie sie das Gericht selten gesehen hat“, sagte Richter. Die beiden Angeklagten seien „ungeheuer brutal“ und „menschenverachtend“ vorgegangen.

Weil sie zur Tatzeit mindestens drei Promille Alkohol im Blut hatten, waren sie nur vermindert schuldfähig. Der 22-Jährige und der 24-Jährige wurden in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Sie bleiben weiter in Haft.

Die beiden Männer auf der Anklagebank nahmen das Urteil und die Urteilsbegründung ohne äußere Regung entgegen. Das Landgericht entsprach weitgehend dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft.

Die Verteidiger Jochen Kreissl und Daniela Morbach kündigten an, es sei „sehr wahrscheinlich“, dass sie Revision einlegten. Sie hatten die Tötungen als Körperverletzung mit Todesfolge bewertet.

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Von Volker Nies

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