Energiebündel Anastasia Boksgorn hat die Musik im Blut

Ohne geht’s nicht

Hochkonzentriert: Der Ganzkörperspiegel ist nicht nur Pflicht fürs perfekte Outfit, auch beim Geigespielen kommt es auf die richtige Haltung an, die geübt und kontrolliert werden muss. Fotos: Radick

Bad Hersfeld. Es riecht angenehm weihnachtlich nach Zimt und Nelken im Flur. Anastasia Boksgorn wohnt im Untergeschoss des Hauses ihrer Eltern in Bad Hersfeld. Ihr Wohnzimmer ist hell, ordentlich und irgendwie klassisch: Weiße Tapete mit braunen Blumen und Streifen, ein goldener Spiegel, ein gläserner Couchtisch. Und dann kommt Anastasia, die im ersten Moment so gar nicht zu ihrer Einrichtung passen will. Sie ist nicht konservativ, sie ist fröhlich, lacht und redet viel. Die 28-Jährige ist nun selbst die frische Brise der Musikschule Bad Hersfeld, die sie reinbringen wollte.

Rock, Pop und Klassik

Als ehemalige Schülerin der Musikschule, war der Weg dorthin zurück für sie selbstverständlich. Um die Begeisterung junger Schüler an klassischer Musik zu fördern, spielen diese bei Anastasia eine bunte Mischung aus Rock, Pop und Klassik. Unter anderem haben sie “Mission impossible“ oder „The final Countdown“ in ihrem Repertoire. „Ohne Klassik geht es aber dennoch nicht.“, sagt die 28-jährige. Denn „man muss das Gleichgewicht halten. Moderne Musik und Klassik sind keine Gegensätze und den Kindern macht beides Spaß.“

Mit den begabtesten ihrer Schüler hat sie sogar ein kleines Orchester gegründet, die „Junior Strings“, die, wie ihre Lehrerin, bei den Sport & Show-Veranstaltungen am kommenden Wochenende auftreten werden.

Auch in einer Band

Zu den Auftritten ist sie übrigens durch Zufall gekommen. Hans Hantke, Organisator der Show, war als Zuschauer bei einem der beiden Abschlusskonzerte der Festspiele 2011, bei denen Anastasia einige kleine Soloauftritte hatte. Wenige Tage später rief Hantke sie an und zusammen mit dem Orchester Junior Strings sagte sie zu. Für die Kleinen ist es nicht der erste Auftritt, schon im Buchcafé und im Bürgerhaus der Hohen Luft begeisterten sie das Publikum.

Als wäre es nicht schon genug Arbeit ein Orchester zu betreuen, spielt sie selbst noch in einer Band mit dem noch provisorischen Namen Dorma. Diese besteht aus zwei E-Geigen, einem Bass und einem Schlagzeug.

Immer noch Lampenfieber

Obwohl das musikalische Talent schon seit Jahren auf den Bühnen Deutschlands zu Hause ist, hat Anastasia immer noch Lampenfieber. „Ich bin immer aufgeregt, auch vor kleinen Auftritten“, sagt sie und lächelt schüchtern. Und das, obwohl sie jeden Tag mehrere Stunden lang übt. Dabei geht es nicht nur um die Noten eines Stücks, sondern um die Schnelligkeit der Finger, die Präzision und den Klang.

Neben der Musik findet die junge Frau erstaunlicherweise auch noch Zeit für andere Interessen und Hobbys. Sie hat jahrelang Kickboxen betrieben, sie joggt, tanzt, malt Bilder in Öl auf Leinwände, liebt Theater- und Musicalbesuche, feiert mit Freunden und behauptet, sie fände dabei noch Zeit, ein wenig zu schlafen. Sogar eine eigene Website ist bald fertig.

Die Sammlung ihrer Instrumente ist beachtlich. Vier Geigen, davon zwei E-Geigen, eine Bratsche und ein Klavier.

Französische Geige von 1784

Ihre Auftritte absolviert sie allerdings immer nur auf einer Geige, einem französisches Modell aus dem Jahre 1784. Und wenn sie von dieser Geige schwärmt und erzählt, was der normalsterbliche Radiohörer nur schwer verstehen wird, welche Gefühle die klassische Musik, gespielt auf dieser Geige in ihr hervorruft, dann passt Anastasia plötzlich hervorragend zu ihrer Wohnungseinrichtung. ZUR PERSON

Von Irene Radick

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