Verband mahnt neues Konzept für Bad Hersfeld an

Ohne Einzelhandel stirbt die Innenstadt

Martin Schüller

Bad Hersfeld. Während die Stadtverordneten in Bad Hersfeld noch quer durch die politischen Lager um die Ansiedlung eines Media Markts in der Festspielstadt streiten, werden andernorts Fakten geschaffen. In Fulda etwa feiert man die angekündigte Ansiedlung eines H&M-Marktes im neu gestalteten Einkaufszentrum „Forum Löhertor“ sogar schon als „Jahrhundertereignis“.

Stadtverordnete wie der NBL-Politiker Dirk Bodes fordern deshalb, neue Ansiedlungsprojekte in Bad Hersfeld zu fördern. „Wir sind doch nicht die Wettbewerbshüter, außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft“, sagt Bodes und beklagt, dass die Media-Markt-Ansiedlung zerredet werde.

Bürgermeister Thomas Fehling hingegen hat keine Sorge, dass Bad Hersfeld abgehängt werden könnte. Er verweist auf die gute Einwohnerentwicklung, die guten Arbeitsmarktzahlen und die gute Resonanz der Festspiele und setzt auf das „wortreich“ als neuen Standortfaktor. Er warnt deshalb davor, Ansiedlungsentscheidungen zu übereilen. „Wir sollten uns lieber auf die Weiterentwicklung unserer Fußgängerzone konzentrieren“, sagt Fehling. Auch mit Blick auf das Gelände der ehemaligen Ford-Zentrale, das als möglicher Standort für einen Media-Markt im Gespräch war, warnt er vor „strategischen Fehlern“.

Rückdeckung erhält der Bürgermeister dabei vom Einzelhandelsverband Nordhessen. „Bad Hersfeld hat als Einkaufsstadt ein Alleinstellungsmerkmal in der Region“, meint Geschäftsführer Martin Schüller und verweist auf das kompakte und vielfältige Angebot, das „spitze und führend in Nordhessen“ sei. Trotz seiner verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl habe die Stadt zudem eine starke Kaufkraft.

Weder die geplanten Shoppingcenter in Rotenburg oder Bebra, noch die größeren Projekte in Fulda und Eisenach würden Bad Hersfeld schaden können, meint Schüller.

Er verweist aber auch auf das negative Verträglichkeitsgutachten zur Ansiedlung des Media-Marktes. „Der Kundenwillen oder der Wettbewerb dürfen bei der Stadtentwicklung nicht die alleinigen Gradmesser sein“, warnt Schüller. „Wo der Einzelhandel verschwindet, stirbt die Stadt“.

Trotzdem sieht Schüller auch für Bad Hersfeld Handlungsbedarf: „Das bestehende Einzelhandelskonzept ist mittlerweile 12 Jahre alt, es muss fortgeschrieben werden.“ Es sei Aufgabe der Politik, sich darüber Gedanken zu machen. (kai)

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