Tausende Besucher beim Familientag auf Point Alpha – Zeitzeugengespräch mit der HZ

Für ein offenes Land

Bei bestem Ausflugswetter war der Familientag auf Point Alpha am Feiertag gut besucht.

Rasdorf. Als ein Ort, der Erinnerungen weckt, der betroffen macht, immer wieder aber auch dazu auffordert, aus der Geschichte zu lernen, präsentierte sich die unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze gelegene Gedenkstätte Point Alpha am Tag der Deutschen Einheit.

Schon am Vorabend beim Festakt im Anschluss an die traditionelle Kranzniederlegung am Denkmal der deutschen Teilung und Wiedervereinigung hatte der thüringische Wirtschaftsminister Uwe Höhn (SPD) mit Blick auf die aktuellen Krisen die nach wie vor gültigen Werte der friedlichen Revolution von 1989 angesprochen.

Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) betonte die grundlegende Bedeutung der Meinungsäußerungsfreiheit. Darüber hinaus würdigte sie das bei Rasdorf gelegene ehemalige US-Camp als Synonym für die deutsch-amerikanische Verbundenheit und für die Unterstützung der Westmächte im Kampf um Demokratie.

Festredner James D. Melville, Vize-Chef der US-Botschaft in Berlin, betonte, Point Alpha stehe „für unsere gemeinsamen Prinzipien, für unser Vertrauen in die Zukunft und für den Triumph der Hoffnung“.

Sehr persönlich äußerte sich dann am Freitag der Erfurter Caritasdirektor Domkapitular Bruno Heller. In dem von Geistlichen aus „Ost und West“ gestalteten ökumenischen Gottesdienst, der ganz im Zeichen der Grenzöffnung stand, wies er in seiner Predigt darauf hin, dass er ganz in der Nähe im 500-Meter-Sperrgebiet aufgewachsen sei und dass er vor 40 Jahren mitsamt seiner Familie gezwungen worden sei, den angestammten, nur wenig später dem Erdboden gleich gemachten Bauernhof zu verlassen. Angesichts dessen empfinde er Trauer – nicht Zorn, denn er könne vergeben. Unter starkem Beifall der Zuhörer fügte er allerdings hinzu: „Wir müssen aber auch den Mut haben zu sagen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war!“

Gebete und Kerzen

Heller bezeichnete es als Wunder, dass Menschen gestützt auf die Kraft des Gebets mit Kerzen, und nicht mit Knüppeln oder Gewehren, durch die Straßen gezogen seien: „Auch das war ein Grund für das Gelingen der Revolution!“ Angesichts untergehender Flüchtlingsboote sei es vonnöten, eine neue Willkommenskultur zu entwickeln: „Wir brauchen keine neuen Zäune, wir brauchen ein offenes Land – und, wenn wir in unsere sich entleerenden Dörfer schauen, auch Zuwanderung!“

Im Anschluss an den von der Stadtkapelle Geisa mitgestalteten Gottesdienst übergaben Oberst Hans-Peter Gratwohl und Reinhold Neitzert von der Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg einen in über 2000 Arbeitsstunden aufgearbeiteten US-Hubschrauber an den Direktor der Point-Alpha-Stiftung, Volker Bausch. Der Bell UH-1D stieß während des Tages mit einigen Tausend Besucher auf großes Interesse. Jung und Alt konnten beim Familientag darüber hinaus basteln, Apfelsaft herstellen und sich an den vielen Köstlichkeiten des regionalen Spezialitätenmarkts erfreuen.

Beim von der Hersfelder Zeitung, der Fuldaer Zeitung und der Südthüringer Zeitung gemeinsam mit der Point-Alpha-Stiftung initiierten Zeitzeugengespräch zum Thema „25 Jahre Mauerfall – Erzählt uns Eure Geschichte(n)“ berichtete am Nachmittag unter anderem Klaus-Dieter Radick von seinen Erlebnissen. Artikel rechts

Von Wilfried Apel

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