Vor Windkraft-Abstimmung

Offener Brief: Bürgerinitiative "Rettet den Stadtwald" schreibt an Stadtverordnete

Bad Hersfeld. Vor der Abstimmung über die Windkraftpläne für den Bad Hersfelder Wehneberg in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am heutigen Abend wendet sich die Bürgerinitiative "Rettet den Stadtwald" in einem offenen Brief an die Stadtverordneten.

Wegen eines technischen Übertragungsfehlers erreichte die E-Mail der Bürgerinitiative die HZ-Redaktion gestern nicht und ist deshalb auch in der heutigen HZ-Ausgabe nicht zu finden.

Die HZ-Redaktion bedauert dies zutiefst und veröffentlicht das Schreiben an dieser Stelle im Wortlaut:

Offener Brief an die Stadtverordneten der Stadt Bad Hersfeld:

Sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete!

Heute geben Sie uns ein wichtiges Signal: Kann der leidenschaftlich diskutierte Bürgerwille den Prozess der demokratischen Entscheidung beeinflussen oder nicht? Man will Ihnen weismachen, dass egal, was Sie entscheiden, Windenergieanlagen gebaut würden–es ginge nur darum, mit einer Zustimmung das kleinere Übel zu wählen, um die Kontrolle über den Bauprozess zu behalten. „Denn sonst können die bauen, wo sie wollen.Windräder gibt es sowieso, nur eben ohne, dass wir daran verdienen oder beim Standort mitreden können“. Dieses Statement hören wir immer wieder –speziell vom potentiellen Betreiber der Anlagen und von denen, die mitverdienen möchten. Gibt es diese Ausweglosigkeit wirklich? Der Regionalplan eröffnet Möglichkeiten, die Sie ausgestalten dürfen, aber nicht müssen.

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Es geht bei diesem Vorhaben doch nicht vorrangig um Einnahmequellen für die Stadt oder eventuelle Regressforderungen. Es geht darum, ob die Mandatsträger ihren Bürgern, den Nachbargemeinden und der die Stadt umgebenden Natur einen solchen Eingriff zumuten können? Unkalkulierbare Gesundheitsrisiken, Waldbrandgefahr, ein massiver Eingriff in Flora und Fauna, großer Wertverlust aller Häuser (in ganz Bad Hersfeld!), eine bedrohliche, technische, das Landschaftsbild zerstörende Kulisse - die geplanten Anlagen werden viel massiver in das Leben aller Hersfelder eingreifen, als wir es uns bisher vorstellen können.

Was passiert, wenn Sie bei der heutigen Abstimmung doch Ihrem Gewissen und nicht der Parteivorgabe folgen? Wenn die Bewohner und die Besucher dieser Stadt Ihr Maßstab werden und nicht ein fragwürdiges Projekt, das in seiner Komplexität und Dominanz kaum beherrschbar und nicht revidierbar ist? Dann kann es sein, dass der Planungsprozess von Neuem startet. Doch andere Flächen sind anhand der vorliegenden Analysen bereits aus dem Rennen. „Die bauen eben woanders, neben der Stadt, andere bekommen das Geld und wir leiden trotzdem“ –Einspruch! Dann wird erneut geprüft, ob ein Bau sinnvoll, wirtschaftlich und zumutbar ist. Und man wird feststellen, dass die reiche Natur, der schwache Wind und der Anspruch „familienfreundliche Kurstadt“ Anlagen dieser Art nicht rechtfertigen. Lassen Sie uns lieber gemeinsam in intelligente Energieeinsparung investieren, in kleine Blockheizkraftwerke, Solarenergie oder Wasserkraft. Stellen Sie den Wert unserer Natur und der Lebensqualität der Menschen hier an die erste Stelle! So kann Bad Hersfeld wirklich eine lebenswerte und attraktive Stadt bleiben, Familien zum Zuzug bewegen, statt sie abwandern zu sehen. Wir wollen nicht in einer langsam sterbenden Stadt leben, die ihre Werte verkauft, um etwas besser über die Runden zu kommen und damit ihren eigenen Abstieg in die Bedeutungslosigkeit verwaltet. So weit darf es nicht kommen! Wir wollen eine schöne, aktive,liebenswerte Stadt, in der die Menschen und ihre berechtigten Bedürfnisse nach einem unversehrten Leben ernst genommen werden.

Die juristische Prüfung hat inzwischen ergeben, dass ein Bürgerbegehren gegen Ihre heutige Beschlussfassung nicht möglich ist. Sie allein entscheiden! Nehmen Sie Ihr Mandat ernst und entscheiden Sie zum Wohle der Stadt, der Bürger, Unternehmen und zum Wohle der Natur.

Wir hoffen auf Ihre mutige Gewissensentscheidung!

Die Unterzeichner dieses Schreibens stehen stellvertretend für rund 4.000 weitere Unterzeichner, die sich ebenfalls gegen Windkraftanlagen im Stadtwald aussprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Gressmann und Andrea Zietz, Bürgerinitiative Rettet den Stadtwald!

Dr. med. Eckart Auel, Arzt, Allgemeinmedizin Sebastian Auel, Arzt, Allgemeinmedizin Familie Böhm Dr. med. Wolfgang Brüning und Angela Brüning Christof Coninx, Unternehmensberatung und Dozent an der FH Köln und Bergakademie TU Freiberg Gino Da Dalto, Eiscafé Pergola Rainer Debus Dr. med. Martin Ebel, Facharzt für Allgemeinmedizin, Flugmedizin und Sportmedizin Heinrich Eigenbrod, Vorsitzender NABU Bad Hersfeld Brigitte Entress Dres. med. Beate u. Franz Erath, Klinikum Bad Hersfeld Ingrid Gebhardt und Ernst Gebhardt, PHK a.D. Ursula und Dr. Rudolf Gesser Julia Höcker, Blitzlicht Fotostudio Sabine Kehl, Friseurmeisterin, Haarstudio Haarscharf Stefan Krebs, Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. med. Gudrun Lampalzer-Strohmaier und Oswald Lampalzer Dr. Andrea Ludwig Hans-Heinrich und Marga Otto, Landwirtschaftlicher Betrieb und Gästehaus Otto Heinrich und B. Otto, Fleischerei Wilhelm Otto Karl Otto, Kreis-Ehren-Handwerksmeister Claudia Reichwein Dr. Hans-Heinrich Reinhardt, Moderation-Unternehmerberatung-Training und Gästehaus Reinhardt Dr. med. Helwig Ritter und Gretel Ritter Bernd Rollmann Zahntechnikermeister Olaf Rollmann, Geschäftsführer der Cuspident Zahntechnik GmbH Heike Salzmann Gabriele Schäfer, Ärztin Dr. med. Claus und Renate Schmidtlein Dr. Barbara Scholz Pfarrer Georg von Schultz Heidemarie Senf, Tabakstube Senf Kornelia Sperlich, City-Bags Dipl.-Psych. Christian Struß, Arzt für Kinder- und Jugendmedizin Mechthild Struß, Sprachheillehrerin Margit Weidmann Dr. med. dent Wolfgang Winges Dr. med. Georg Witte, FA Kinder- und Jugendmedizin und Sabine Steinort-Witte

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