250 Dinge, die wir an der Region mögen (103): Blick in die Rhön aus Niederjossa

Die offene Ferne genießen

Den Blick in die offene Ferne beziehungsweise in die Rhön genießt unsere Leserin Elsbeth Rohrbach, wenn sie in Niederjossa walken geht. Ihr Weg führt oft auf den Zaunrück. Foto: nh/Rohrbach

Niederjossa. Um die Mittagszeit ziehe ich mir meine Laufschuhe an, binde die Trinkflasche an meinen Gürtel und gehe mit den Nordic Walking Stöcken im Laufschritt unter der A 7 durch auf den Zaunrück zu. Der Berg liegt auf der Sonnenseite von Niederjossa. Mein Ziel befindet sich auf seinem obersten Punkt. Die geteerten Feldwege schlängeln sich den Berg hinauf. Vorbei an Feldern, die nach frischer Erde duften. Blühende Sträucher, große alte Eichen und Kirschbäume säumen meinen Weg.

In meinen Gedanken bin ich in der Vergangenheit. Wie oft bin ich als Kind an der Hand der Großmutter auf diesen Berg gelaufen. Es ist fast immer noch alles so wie damals. Die Vögel singen und zwitschern in den Bäumen, Rehe weiden auf einer entfernten Wiese und auf einem frischen Acker streiten sich krächzend einige Raben. Immer muss ich an die Großmutter denken. Sie trug nie etwas anderes als ihre dunkle Tracht. Keine Wanderschuhe, nur ihre selbstgemachten Datschen. Keine Stöcke in den Händen, sondern in der einen eine blecherne Henkelkanne voll Lindes Kaffee und in der anderen meine Hand. Am Rücken trug sie eine Kötze voll leckeren Brotes und Kuchen.

Sie konnte den Weg ohne Mühe gehen, obwohl sie in ihrem ganzen Leben nie Sport getrieben hat. Außer ihrem Kaffee hat sie fast nie etwas anderes getrunken und war doch kaum einmal krank. Sie war damals im gleichen Alter wie ich heute.

Rast unterm Hochsitz

Unter einem Hochsitz, den die örtlichen Jäger aufgestellt haben, setze ich mich auf eine Bank und lasse meinen Blick ins Tal schweifen auf unser Dorf. Ein Gedicht von Jakob Schröder fällt mir ein: Mein Dörflein dort im Tale weit. Es tönt das alte Lied nicht mehr, wo mit Gespann der Bauer fuhr; und viele Ställe die sind leer, Motorenlärm, den hört man nur. Mag dies und das auch scheinen neu und anders als in früh‘rer Zeit, so lieb ich´s dennoch, bleib ihm treu, dem Dörflein mein im Tale weit.

Hügelgräber

Ich mache mich weiter auf den Weg. Traktoren, die so groß sind, dass sie den ganzen Weg benötigen, fahren an mir vorbei. Früher kam manchmal ein Pferde- oder Kuhgespann des Weges, die uns dann auch gerne ein Stückchen mitnahmen. Aber ich gehe weiter meinem Ziel entgegen. Auf der Höhe vor mir fand man vor langer Zeit Hügelgräber, die aus der Steinzeit stammen sollen. Einen Hinweis dazu findet man hier leider nicht mehr. Es lässt aber vermuten, dass unser schönes Mittelgebirge den Menschen damals schon Raum zum Leben bot.

Nun bin ich angekommen. Im Westen will die Sonne untergehen. Aber mein Blick geht nach Süden. Vor mir tut sich ein wunderbares Bild auf. Unten, das Jossa- und Fuldatal, darüber der Sternberg , dahinter in weiter Ferne die Berge der Rhön. Bei einbrechender Dunkelheit kann man manchmal das Blinklicht auf der Wasserkuppe erkennen. Ich weiß, dass meine Großmutter gerne einmal in dieses Land der offenen Fernen gefahren wäre.

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