Wie die amerikanischen Musical-Darsteller über ihren Präsidenten denken

Obama soll aufs Show Boat

Walter Reynolds spielt „Joe“ und ist ein großer Obama-Fan.

Bad Hersfeld/Berlin. Das Timing ist perfekt. Wenn heute der erste schwarze Präsident der USA, Barack Obama, fast auf den Tag genau 50 Jahre nach John F. Kennedy Berlin besucht, dann feiert in Bad Hersfeld Show Boat Premiere. Und viele der amerikanischen Schauspieler sind glühende Anhänger von Obama.

„Es ist lange her, dass ich so stolz auf einen Präsidenten war“, sagt Walter Reynolds, und alle am großen Tisch in der Festspielkantine nicken. „Als die Bushs im Amt waren, habe ich immer gesagt, ich komme von der Elfenbeinküste“, scherzt Stephen Shivers, und auch Lemuel Pitts ist froh, dass ein Mann wie Obama nun schon zum zweiten Mal in den USA gewählt wurde. Alle sind sich bewusst, dass Obama die hochfliegenden Erwartungen an ihn nicht alle erfüllen konnte. „Als Schwarzer musst du immer etwas härter arbeiten und etwas besser sein als alle anderen“, sagt Walter Reynolds und spricht damit auch aus eigener Erfahrung. Dabei sei Obamas Aufgabe doch riesengroß. Der US-Präsident sei so eine Art Babysitter für die ganze Welt.

Alle der schwarzen Show Boat-Darsteller haben in ihrem Leben bereits Rassismus und Diskriminierung erfahren – zum Beispiel bei der Wohnungssuche. „Die Leute sehen oft nur die Farbe und denken gar nicht nach. Da wird man dann gefragt, ob man denn aus einem heißen Land kommt, weil die Hautfarbe so dunkel ist“, erzählt Reynolds.

Sein Schauspiel-Kollege Lemuel Pitts meint, am alltäglichen Rassismus der Gesellschaft habe sich auch nach Obama bestenfalls symbolisch etwas geändert, „aber in der Realität nicht!“ Allerdings sei das kein amerikanisches Problem allein, auch in Deutschland sei die Situation ähnlich.

„Das einzige was wirklich helfen kann ist Integration und menschliche Interaktion“, sagt Schauspielerin Siggi Davis, „denn eigentlich haben wir doch sehr viel gemein. Dennoch fühlt sie sich zumindest beruflich durch ihre Hautfarbe nicht auf bestimmte Rollen festgelegt. „Ich habe schon alle möglichen Rollen gespielt.“

Von ihrem Präsidenten erwarten der Show Boat-Stars noch viel, aber sie wissen auch, dass seine Macht beschränkt ist. „Der Kongress blockiert ihn und arbeitet regelrecht gegen Obama“, sagt Lemuel Pitts. Deshalb ist ihr Wunsch an den Präsidenten vergleichsweise bescheiden: „Es wäre schön, wenn er zu uns ins Show-Boat käme.“

Doch auch das wird der Präsident wohl nicht ganz allein entscheiden können.

Von Kai A. Struthoff

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