Vertreter von Nachwuchs-Organisationen der Parteien über das Für und Wider eines Jugendparlaments

Null Bock auf Politik?

BAD HERSFELD. Die im Bad Hersfelder Bürgermeisterwahlkampf zur Diskussion gestellte Idee eines Jugendparlaments, trifft bei den Nachwuchspolitikern im Kreis auf ein geteiltes Echo.

„Wir sprechen uns nicht grundsätzlich gegen einen Jugendbeirat aus, denken aber, dass es bessere Lösungen zur stärkeren Beteiligung Jugendlicher bei der Stadtentwicklung gibt“, meint Christian Eckhardt, Kreisvorsitzender der Jungen Union Hersfeld-Rotenburg. Die Bereitschaft zur Übernahme eines Mandates in Jugendbeiräten sei erfahrungsgemäß sehr gering.

Um der Bad Hersfelder Jugend ein Sprachrohr für neue Ideen und Wünsche zu geben, schlägt Eckhardt statt dessen die Schaffung einer „Zukunftswerkstatt Bad Hersfeld“ in Form eines Jugendforums vor. „Der Vorteil in einem zeitlich begrenzten und projektbezogenen Jugendforum besteht darin, dass kein dauerhaftes Engagement erforderlich ist“, erläutert Eckhardt.

Eine große Chance

Ganz anderer Meinung ist der SPD-Ortsvereins-Vorsitzende von Kalkobes, Daniel Faßhauer. „Ein Jugendparlament ist eine große Chance für die jungen Menschen vor Ort.“ Eine solche Institution wäre eine direkte Vertretung für Jugendinteressen und würde Bad Hersfeld lebenswerter für diese Altersgruppe machen. Die Innovationskraft Jugendlicher würde gut für die Zukunftsfähigkeit des Kreises sein. Um die Kosten gering zu halten, schlägt Faßhauer vor, über das Jugendparlament parallel zur Kommunalwahl abstimmen zu lassen.

Auch die Kreissprecherin der Grünen Jugend Hersfeld-Rotenburg, Nicole Müller, ist von der Idee eines Jugendparlamentes angetan. „Die Jugend des Kreises sollte die Möglichkeit haben, ihre Ansichten, Verbesserungsvorschläge und auch Kritik an der momentanen Politik äußern zu können.“ Ein Jugendparlament würde jungen Leuten das Gefühl geben, selbst etwas bewirken zu können. „Die Altersgruppe von 16 bis 25 Jahren sollte einbezogen werden, denn in diesem Zeitraum finden häufig die ersten Erfahrungen mit Politik statt,“ meint Müller.

Eine ähnliche Sichtweise vertritt der Juso-Vorsitzende Thomas Hahn, der die Idee eines Jugendparlamentes lobt und die Altersspanne von 15 und 25 Jahren als besonders sinnvoll einstuft. „Es ist eine einzigartige Chance, die Politik wieder in den Gedankenkreis der Jugendlichen zu bringen.“ So könnten junge Leute an der Politik teilnehmen und wären gefordert, Ideen zu entwickeln, die die Stadt und den Kreis verbessern.

Der Bad Hersfelder FDP-Vorsitzende Bernd Böhle indes ist skeptisch. „In der heutigen Zeit haben nur wenige junge Menschen Interesse an der politischen Arbeit.“ Er warnt davor, in Bad Hersfeld ein neues Gremium zu schaffen, das sich womöglich schon nach wenigen Sitzungen wieder auflöst. Statt dessen solle das bereits bestehende Konzept des Stadtjugendrings zur verstärkten Mobilisierung Jugendlicher umgesetzt werden.

Die Jugend aktivieren

Einig sind sich alle Nachwuchspolitiker, dass etwas für eine Aktivierung der Jugendlichen bei Wahlen und am politischen Geschehen getan werden muss. (red)

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