Notwendige Deutlichkeit, Sitzungs-Sinn und Aussitzen

Karl Schönholtz

Die Diskussion, die ich in dieser Woche mit einem Leser unserer Zeitung geführt habe, die hatte am selben Tag schon im Kollegenkreis während der Redaktionskonferenz stattgefunden: Musste unsere Zeitung im Bericht über ein Gerichtsverfahren wegen Kindesmissbrauchs so detailliert beschreiben, was geschehen war? Glauben Sie mir, wir haben uns die Antwort nicht leicht gemacht, aber am Ende lautete sie eben: Ja. Und das können wir auch begründen. Denn es ging in diesem Verfahren in den beiden gravierendsten Anklagepunkten nicht mehr um oberflächliche Berührungen, um Grenzüberschreitungen, bei denen zehn Jahre nach der Tat vielleicht auch über die Verhältnismäßigkeit einer Strafe hätte nachgedacht werden müssen. Doch es ging auch um das, was der Gesetzestext als „schweren sexuellen Missbrauch“ bezeichnet. Mit diesem Begriff alleine kann ein Laie jedoch nicht viel anfangen, und so bedurfte es der Benennung dessen, was passiert war, um das Ausmaß der Gewalt zu verdeutlichen, das dem 13-jährigen Opfer damals angetan worden war. So etwas schreiben und beschreiben wir nicht gerne, aber wir verstecken uns eben auch nicht hinter Begriffen, die der normale Leser am Ende nicht versteht.

Es war nicht das erste Mal, dass über den Sinn einer Ausschusssitzung der Bad Hersfelder Stadtverordentenversammlung diskutiert wurde. Traf es bisher meist den Kulturausschuss, so musste sich diesmal der Vorsitzende des Sozialausschusses, Daniel Fasshauer, der Frage stellen, ob die Tagesordnung des Treffens vom Dienstag den Aufwand rechtfertigte. Denn die Vorbereitung von Beschlüssen für die große Parlamentssitzung – so die eigentliche Aufgabe des Gremiums – fand irgendwie nicht so richtig statt. Jedenfalls nicht direkt. Denn auch Besichtigungen, Berichte und allgemeine Informationen über dieses und jenes dienen am Ende ja der Entscheidungsfindung wie etwa bei den Beratungen und Abstimmungen über den Haushalt. Also war der Nutzen der konkreten Sitzung wohl eher indirekt.

Keine ganz einfache Sache also, und am Besten wohl vom Vorsitzenden von Fall zu Fall neu zu überdenken. Das macht übrigens Roland Luley, der Vorsitzende des Ausschusses für Stadtplanung und Umwelt, schon immer so: Wenn es nicht wirklich etwas zu besprechen gibt, fällt die Sitzung eben aus.

Gern hätten wir über die Bilanz 2014 der Mitmach-Ausstellung „wortreich“ berichtet, in dem die neue Geschäftsführerin Karina Gutzeit mit neuen Konzepten für neuen Schwung und mehr Besucher sorgen wollte. Doch mit der Presse hat es Frau Gutzeit nicht so. Direkt ist sie kaum zu erreichen, und eine vor zwei Wochen gestellte Anfrage mit der Bitte um einen Termin versandete im Nirwana der gepflegten Ignoranz. Auch der Umweg über den Pressesprecher der Stadt hat sich bislang als Sackgasse erwiesen. Mittlerweile kam aus dem „wortreich“ eine dürre E-Mail zurück, in der Gutzeit um die Übermittlung längst gestellter Fragen bat. Alles doch nicht so arg professionell, wie es scheint...

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