Jugendschöffengericht musste sich nach überraschender Aussage des Angeklagten vertagen

In Notwehr die Zähne ausgeschlagen

Bad Hersfeld. Die Sache schien klar: Auf der Anklagebank saß ein 20-jähriger Hersfelder, vorbestraft und unter Bewährung wegen Körperverletzung, weil er im Streit zu schnell die Fäuste fliegen ließ. Genau das warf ihm Staatsanwalt Harald Reith jetzt erneut vor: Am 6. Mai vergangenen Jahres hatte der junge Mann in einer Haunecker Diskothek wieder zugeschlagen, und das so heftig, dass seinem Widersacher nachher ein paar Zähne fehlten und zwei Rippen gebrochen waren. Der Geschädigte war als Nebenkläger beim Prozess vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld zugegen.

Nur verteidigt

Doch klar war in diesem Fall – so stellte sich nach wenigen Minuten heraus – überhaupt nichts: Der Angeklagte, der bis dahin zu den Vorwürfen geschwiegen hatte, erzählte nämlich eine Geschichte, die auf Notwehr hinauslief: Das angebliche Opfer sei betrunken gewesen und habe ihn wegen eines zeitlich zurückliegenden Streits mit dem Vater des Angeklagten zunächst verbal attackiert. Als der 19-Jährige erklärte, davon nichts zu wissen, soll der Mann handgreiflich geworden sein, woraufhin sich der Hersfelder verteidigte – dies allerdings mit dem eingangs erwähnten Ergebnis.

Bestätigen könnten dies laut dem Angeklagten die beiden Türsteher und weitere Augenzeugen.

Alle Zeugen laden

Weil das Gericht darauf nicht vorbereitet war, blieb der Vorsitzenden Michaela Kilian-Bock nach Rücksprache mit Staatsanwalt, Nebenklagevertreter und Verteidiger nichts weiter übrig, als die Verhandlung zu vertagen. Zum nächsten Termin sollen dann alle in Frage kommenden Zeugen geladen werden, um herauszufinden, wie es wirklich war.

Von Karl Schönholtz

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